ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2014Altersdiagnostik: Erwiderung
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Die von fünf Professoren der Rechtsmedizin verfassten Leserbriefe enthalten Behauptungen, die einer Richtigstellung bedürfen.

Wir haben nicht sinnentstellend zitiert. Die „Empfehlungen für die Altersdiagnostik bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen außerhalb des Strafverfahrens“ der Arbeitsgemeinschaft für Forensische Altersdiagnostik der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin (AGFAD) stellen klar heraus, dass hierbei Röntgenaufnahmen nicht zulässig sind.

Das im ersten Leserbrief beschriebene Vorgehen mit Hand- und Kieferröntgen sowie CT der Schlüsselbeine stammt aus den „Empfehlungen für Altersschätzungen bei Lebenden im Strafverfahren“, die für familien- und verwaltungsgerichtliche Verfahren irrelevant sind.

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Es trifft nicht zu, dass die psychosoziale Altersschätzung „aus wissenschaftlicher Sicht abzulehnen“ sei. Führende Experten halten es für unsinnig, Jugendliche auf ihr Knochenalter zu reduzieren, und fordern eine differenzierte Einschätzung des psychosozialen Entwicklungsstandes und des Hilfebedarfs.

Als Rechtsgrundlage für die radiologische Altersdiagnostik wird das Aufenthaltsgesetz genannt. Nach § 49 Absatz 6 sind „körperliche Eingriffe . . .“ erlaubt, „wenn kein Nachteil für die Gesundheit des Ausländers zu befürchten ist.“

In unserem Beitrag belegen wir anhand mehrerer Studien, dass diese gesetzliche Voraussetzung nicht erfüllt ist. Das Risiko für ein Malignom ist signifikant erhöht, wenn in Kindheit oder Adoleszenz ein CT durchgeführt wurde, ebenso für ein Schilddrüsenkarzinom nach zahnärztlichen Röntgenaufnahmen.

Es wird behauptet: „Die Maßgabe ,im Zweifel für den Flüchtling‘ wird von den Medizinern, die derartige Gutachten anfertigen, stets ausdrücklich berücksichtigt.“

Uns liegen jedoch rechtsmedizinische Gutachten vor, bei denen jeder Einzelbefund mit einem Alter unter 18 Jahren vereinbar ist, aber Volljährigkeit attestiert wird. Wir weisen die Behauptung zurück, wir hätten Kollegen einer „respektlosen persönlichen Herabwürdigung“ unterzogen. Dies lässt sich aus keiner Zeile unseres Beitrags herauslesen.

In unserer Berufsordnung ist nicht von einer Verpflichtung des Arztes die Rede, „mit seinem Sachverstand der Allgemeinheit zu dienen“. Aber: Nach § 2 (2) haben alle Ärztinnen und Ärzte „ihr ärztliches Handeln am Wohl der Patientinnen und Patienten auszurichten. Insbesondere dürfen sie nicht das Interesse Dritter über das Wohl der Patientinnen und Patienten stellen.“

(Langfassung dieser Erwiderung unter ippnw.de/index.php?id=63)

Dr. med. Thomas Nowotny, Kinder- und Jugendarzt,
83071 Stephanskirchen
Dr. med. Winfrid Eisenberg, Kinder- und Jugendarzt,
32051 Herford
Prof. Dr. med. Klaus Mohnike, Leiter Pädiatrische Endokrinologie, Universitätsklinikum Magdeburg, 39120 Magdeburg

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Avatar #687229
DoktorG
am Dienstag, 5. August 2014, 17:18

Langfassung nicht erreichbar

Leider ist die Langfassung dieser Erwiderung unter dem angegebenen Link nicht zu erreichen.

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