ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2014Computerbasierte Entscheidungshilfe: Versorgungslücken erkennen

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Computerbasierte Entscheidungshilfe: Versorgungslücken erkennen

Dtsch Arztebl 2014; 111(31-32): A-1379

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Möglichst lange zu Hause leben – das wünschen sich viele Menschen mit Demenz. Um dies zu ermöglichen, haben Greifswalder Forscher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) ein computergestütztes Verfahren entwickelt, das individuelle Lücken in der Versorgung von Patienten aufdeckt. Einer Studie zufolge* lassen sich mit der Software 85 Prozent mehr Versorgungslücken erkennen als bei einer händischen Erfassung. Die ambulante Versorgung von Demenzpatienten kann dadurch optimiert werden.

Speziell qualifizierte „Dementia Care Manager“ beraten Patienten und deren Angehörige vor Ort. Foto: DZNE
Speziell qualifizierte „Dementia Care Manager“ beraten Patienten und deren Angehörige vor Ort. Foto: DZNE

Eine Schlüsselrolle kommt dabei besonders qualifizierten Pflegefachkräften, den „Dementia Care Managern“ (DCM) zu. Sie besuchen die Patienten – Menschen mit Demenz im Alter ab 70 Jahren – zu Hause und erfassen per Befragungen mit Tablet-PCs deren Versorgungssituation. Sie protokollieren etwa gesundheitliche Beschwerden, Medikation, die Häufigkeit von Arztbesuchen und auch, ob die Patienten einen Bevollmächtigten für medizinische Angelegenheiten bestimmt haben. Auf diese Weise erfassen die Betreuungsmanager systematisch den individuellen Versorgungsbedarf auf ärztlicher, pflegerischer, medikamentöser, psychosozialer und sozialrechtlicher Ebene. Anhand dieser Angaben erstellt ein computergestütztes Interventions-Management-System (IMS) Handlungsempfehlungen für den Hausarzt. Das Verfahren ist Teil eines Konzepts, das das DZNE in Kooperation mit der Universitätsmedizin Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern erprobt, um die häusliche Versorgung von Menschen mit Demenz zu verbessern (www.dzne.de).

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„Die Software gleicht individuelle Patientencharakteristiken mit einem Kriterien- und Maßnahmenkatalog ab, in dem Bedingungen für eine möglichst optimale Versorgung von Menschen mit Demenz beschrieben sind“, erläuterte Dr. Tilly Eichler, Wissenschaftlerin am DZNE in Greifswald. Das System wird seit Januar 2013 in Mecklenburg-Vorpommern getestet.

Das IMS schlägt bis zu 28 Maßnahmen für die Versorgung und Behandlung vor. Ergibt die Befragung etwa Hinweise auf eine Depression, wird die Überweisung zu einem Psychiater empfohlen. Fallen dem Patienten alltägliche Dinge wie Zähneputzen schwer, rät das IMS zu einer Ergotherapie. „Letztlich entsteht ein detaillierter Hausarztinformationsbrief, der Entscheidungshilfen für einen maßgeschneiderten Versorgungs- und Behandlungsplan beinhaltet“, sagte Eichler. Der Hausarzt entscheide dann, welche Maßnahmen eingeleitet und mit dem DCM umgesetzt würden.

Ein DCM begleitet den Interventionsplan über mindestens ein halbes Jahr und gibt Patienten und Angehörigen individuelle Hilfestellungen im Umgang mit der Erkrankung. Die Betreuung im Rahmen regelmäßiger Hausbesuche soll den Weg für eine gute und dauerhafte Versorgung bereiten. EB

*Eichler T, Thyrian JR, Fredrich D, Köhler L, Wucherer D, Michalowsky B, Dreier A, Hoffmann W: The benefits of implementing a computerized Intervention-Management-System (IMS) on delivering integrated dementia care in the primary care setting. International Psychogeriatrics, 2014, http://dx.doi.org/10.1017/S1041610214000830

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