ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2014Mengenentwicklung im Krankenhaus: Der Streit geht weiter

POLITIK

Mengenentwicklung im Krankenhaus: Der Streit geht weiter

Dtsch Arztebl 2014; 111(31-32): A-1354 / B-1167 / C-1111

Osterloh, Falk

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Auch nach Veröffentlichung eines Gutachtens zum Fallzahlanstieg im stationären Bereich bleiben dessen Ursachen unklar. Neue Nahrung erhält die Auseinandersetzung durch Kassendaten über einen Anstieg von Herzoperationen.

Seit Jahren streiten sich Krankenkassen und Krankenhäuser über die Ursachen des Fallzahlanstiegs im stationären Bereich. Dieser sei auf die steigende Nachfrage zurückzuführen, sagen die Krankenhäuser. Die Kliniken führten medizinisch nicht indizierte Leistungen durch, um Geld zu verdienen, meinen die Krankenkassen. Die Politik hielt sich bislang weitgehend heraus und wollte zunächst die Ergebnisse eines Gutachtens abwarten, das Gründe für die Mengenentwicklungen finden sollte. Das Gutachten liegt nun vor (siehe DÄ 19/2014). Klare Erkenntnisse konnte es allerdings nicht liefern.

So geht der Streit weiter. In ihrem „Krankenhaus-Report 2014“ zeigt die Barmer GEK, dass die Zahl koronarer Revaskularisationen im Jahr 2013 so hoch war wie noch nie. Die Zahl der Eingriffe mit beschichteten Stents habe seit 2005 um 227 Prozent auf 204 400 zugenommen. „Wir fragen uns“, erklärte der stellvertretender Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Dr. jur. Rolf-Ulrich Schlenker, bei der Präsentation des Reports am 22. Juni, „ob sich der Zuwachs ausschließlich medizinisch begründen lässt oder ob der Preis die Menge beeinflusst“. Die Antwort erfolgte prompt. „Die Kassen sollten aufhören, steigenden medizinischen Behandlungsbedarf in den Verdacht nicht notwendiger Leistungen zu rücken“, betonte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum.

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„Anlass zur Sorge“

Bemerkenswerter noch sind die Reaktionen aus der Politik. „Der starke Anstieg der Herzoperationen gibt Anlass zur Sorge“, erklärte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn. Die Frage müsse erlaubt sein, ob alle Eingriffe medizinisch begründet seien. Ähnlich klingt es bei der Opposition. Der Report zeige, so der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion, Harald Weinberg, dass sich „Patienten überflüssigen oder medizinisch nicht notwendigen Eingriffen am Herzen unterziehen müssen, um den Krankenhäusern ein finanzielles Überleben zu ermöglichen“.

Untersucht wurde im „Krankenhaus Report“ nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität der erbrachten koronaren Revaskularisationen. „Bei der Einführung beschichteter Stents hatte man gehofft, mit diesem Eingriff die Re-Interventionsrate zu senken“, erklärte Prof. Dr. med. Eva Maria Bitzer von der Pädagogischen Hochschule Freiburg, eine der Autorinnen des Reports. „Das sehen wir jedoch nicht.“ So müsse sich jeder fünfte Patient innerhalb von zwölf Monaten einem Wiederholungseingriff unterziehen. Eingriffe mit beschichteten Stents seien jedoch auch nicht schlechter als andere perkutane koronare Interventionen. Bitzer zufolge lassen sich die Zuwächse bei den Eingriffen mit beschichteten Stents übrigens unter anderem dadurch erklären, dass heute auch Menschen mit koronarer Herzkrankheit behandelt würden, die früher aufgrund ihres Alters oder weiterer Erkrankungen nicht damit versorgt worden wären.

Im Übrigen setzten sich 2013 die Trends der vergangenen Jahre fort: Die Verweildauer im Krankenhaus sinkt (von 8,6 Tagen im Jahr 2006 auf 7,6 Tage), und die Anzahl der Krankenhausfälle steigt (von 189 Fällen je 1 000 Versichertenjahre im Jahr 2005 auf 207 Fälle). Zugenommen hat zudem erneut die Zahl der Krankenhaustage bei Menschen mit psychischen und Verhaltensstörungen (von 245 Tagen im Jahr 2005 auf 333 Tage im vergangenen Jahr, siehe Grafik). Weiter gesunken ist die Zahl der Krankenhaustage hingegen bei Krankheiten des Kreislaufsystems, bei Krebserkrankungen und bei Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems.

Weswegen und wie lange im Krankenhaus? Die sechs häufigsten Diagnosegruppen 2013 bezüglich...
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Grafik
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Falk Osterloh

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