ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2014Frage der Woche an . . . Dr. med. Nikolaos Trifyllis, Oberarzt für Frauenheilkunde am Florence-Nightingale Krankenhaus in Düsseldorf

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Dr. med. Nikolaos Trifyllis, Oberarzt für Frauenheilkunde am Florence-Nightingale Krankenhaus in Düsseldorf

Wieso sollten natürliche Geburten Kaiserschnitten vorgezogen werden?

Dtsch Arztebl 2014; 111(31-32): [4]

Ollenschläger, Philipp

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Immer häufiger werden Kinder in Deutschland per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Kaiserschnittgeburten in der Bundesrepublik verdoppelt. In Baden-Württemberg zum Beispiel kommt inzwischen jedes dritte Kind auf diese Weise zur Welt. Allein aus medizinischer Sicht ist eine solche Steigerung nicht erklärbar. Zwar bekommen Frauen durchschnittlich immer später in ihrem Leben Kinder, was ein Grund für einen medizinisch indizierten Kaiserschnitt sein kann. Die Welt­gesund­heits­organi­sation WHO geht allerdings davon aus, dass ein Kaiserschnitt bei maximal 15 Prozent aller Geburten medizinisch unbedingt erforderlich ist. In der Freiburger Erklärung zur natürlichen Geburt fordern Ärzte und Hebammen eine Stärkung der Spontangeburt.

Wieso sollten natürliche Geburten Kaiserschnitten vorgezogen werden?

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Trifyllis: Zunächst einmal ist zu sagen, dass das aktive Erleben der Geburt ein äußerst emotionales Ereignis ist, das mit einer Geburt per Kaiserschnitt nicht zu vergleichen ist. Dieses Erlebnis sollten sich die werdenden Eltern nicht nehmen lassen.

Die Morbidität bei geplantem Kaiserschnitt ist durch moderne medizinische Standards deutlich gesunken, dennoch ist ein Kaiserschnitt ein nicht zu unterschätzender operativer Eingriff der kurz- und langfristige Risiken birgt: Häufig wird verschwiegen, dass per Kaiserschnitt geborene Kinder oftmals unter Anpassungsstörungen leiden. Neben den kurzfristigen Folgen für die Mutter wie Wundschmerzen, Thrombose, Embolie und längerem Kranken­haus­auf­enthalt führt die Sectio caesarea in Folgeschwangerschaften zu einem erhöhten Risiko für eine Uterusruptur sowie zu Plazentationsstörungen. Die Anzahl der vorausgegangenen Kaiserschnitte steigert dieses Risiko überproportional.

Kaum thematisiert wird zudem, dass die steigende Zahl der Kaiserschnitte zu einem Qualitätsverlust in der Ausbildung der Geburtshelfer führt. Immer mehr Geburtshelfer verfügen über nur unzureichende Erfahrungen in der Leitung von komplizierten vaginalen Geburten, zum Beispiel der Beckenendlage oder Zangenentbindung. Ol

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