ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2014Ärzteversorgung: Konstruktionsfehler
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. . . Der grundlegende Konstruktionsfehler dieses Systems besteht darin, dass, obwohl die Renten ausschließlich von den Kindern der Rentnergeneration bezahlt werden müssen, kinderlose und kinderarme (Eltern mit einem Kind) Erwerbstätige rentenberechtigt wurden, ohne dass von ihnen ein angemessener Beitrag zu den Kinderkosten verlangt wurde . . .

Wie man es dreht und wendet: Ohne Kinder taugt weder das fehlerhafte Umlageverfahren, noch die Kapitalbildung zur Alterssicherung. Auch Wohn- und Betriebsimmobilien verlieren ihren Wert, wenn es immer weniger Mieter und Arbeitskräfte gibt. Es gibt nur einen Ausweg, der aber heute von allen Bundestagsparteien gescheut wird, weil er zukunftsorientiert ist und damit in erster Linie den nicht wahlberechtigten Kindern nutzt: Unser Alterssicherungssystem muss wieder beitragsgerecht werden. Das heißt, die von den Kindern zu zahlenden Umlagerenten müssen an die zuvor erbrachten Leistungen für Kindererziehung gebunden werden. Dann würde sich auch die Familie wieder „lohnen“ . . .

Was die Ärzteversorgung angeht, so beruht sie auf einer Kombination von Umlageverfahren und Kapitalbildung, wie Harald Clade beschreibt. Warum funktioniert sie heute noch besser als die gesetzliche Rentenversicherung und die privaten Lebensversicherungen? Die Ursache ist vor allem, dass die Zahl der versicherten Ärzte/Ärztinnen trotz des Geburtenrückgangs weiter steigt. Allein zwischen 2000 und 2011 stieg die Zahl der Ärzte (gezählt als Vollstellen) um 14 Prozent. (Statistisches Jahrbuch 2013, S. 131). Über einen längeren Zeitraum dürfte das noch viel mehr sein. – Wenn die Zahl der Aktiven derart steigt, gibt es im Umlagesystem kein Problem. Das ist zurzeit noch ein Vorteil für die Ärzteversorgung, lässt sich aber nicht auf die ganze Bevölkerung übertragen. Ärzte/Ärztinnen sollten sich aber nicht nur für ihre eigene Altersversorgung interessieren, sondern als Staatsbürger auch ihrer Mitverantwortung für die gesamte Gesellschaft bewusst sein.

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Dr. med. Johannes Resch, 76855 Annweiler

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