ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2014Psychotherapeuten im Ärztemonitor 2014: Unzufrieden mit Einkommen

EDITORIAL

Psychotherapeuten im Ärztemonitor 2014: Unzufrieden mit Einkommen

PP 13, Ausgabe August 2014, Seite 337

Bühring, Petra

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Niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten arbeiten gern und würden größtenteils ihren Beruf wieder ergreifen. Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sind mit ihrer beruflichen Tätigkeit noch etwas zufriedener als Ärzte. Deutlich unzufriedener sind sie allerdings mit ihrem Einkommen. Das sind zentrale Ergebnisse des „Ärztemonitor 2014“, einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts infas im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des NAV-Virchow-Bunds (siehe Seite 348). Befragt wurden im Frühjahr mehr als 10 000 Niedergelassene.

So stimmen 97 Prozent der Psychotherapeuten der Aussage „ich bin mit meiner Arbeit zufrieden“ zu, aber nur 88 Prozent der befragten Haus- und Fachärzte. 87 Prozent der Psychotherapeuten geben an, selbst entscheiden zu können, wie sie ihre Arbeit erledigen – im Gegensatz zu 69 Prozent der Ärzte. 80 Prozent der Psychotherapeuten erleben ihren beruflichen Alltag, so wie sie sich ihn zum Studienbeginn vorgestellt hatten (Ärzte: 55 Prozent). Mehr Psychotherapeuten (60 Prozent) stimmen der Aussage zu, ausreichend Zeit für die Behandlung der Patienten zu haben (Ärzte: 40 Prozent). Die Stundentaktung in der Psychotherapie hat auch Vorteile.

Ganz anders sieht das Stimmungsbild hingegen in Bezug auf die wirtschaftliche Situation aus: 41 Prozent der Fachärzte sind unzufrieden mit ihrem Einkommen, im Gegensatz zu 57 Prozent der Psychotherapeuten. Damit drückten deutlich mehr Psychotherapeuten ihre Unzufriedenheit mit dem Einkommen aus als noch 2012: Beim letzten Ärztemonitor zeigten sich 38 Prozent unzufrieden. Erklären lässt sich die deutlich höhere Zahl jetzt nicht mit veränderten Honoraren. Doch Psychotherapeuten scheinen sich immer weniger mit Einkommen abfinden zu wollen, die durchschnittlich nicht einmal halb so hoch sind wie die der somatischen Ärzte, wie die Honorarberichte der KBV immer wieder belegen.

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Daran sollte sich dringend etwas ändern. Nur wann, lässt sich in einem überschaubaren Zeitrahmen nicht sagen. Denn obwohl der Bewertungsausschuss angekündigt hatte, zum 30. Juni 2014 zu überprüfen, ob die seit 2009 gültige Bewertung psychotherapeutischer Leistungen die angemessene Höhe der Vergütung sicherstellt, verstrich die selbstgewählte Frist ohne Begründung. Verschiedene Berufsverbände kritisieren dies auf Schärfste. Sollte die Überprüfung des Bewertungsausschusses, der sich aus Vertretern der KBV und des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen zusammensetzt, ergeben, dass die Honorare der Psychotherapeuten der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts nicht genügen, hätte dies nicht nur höhere Honorare, sondern wahrscheinlich auch Nachzahlungen zur Folge.

Zum Schluss noch zwei erfreuliche Ergebnisse aus dem „Ärztemonitor“: Psychotherapeuten finden es im Gegensatz zu Ärzten leicht, einen Praxisnachfolger zu finden, das heißt, die Niederlassung ist bei jungen Psychotherapeuten nach wie vor beliebt. Außerdem ist die Einbindung von Psychotherapeuten in Ärztenetze im Vergleich zu 2012 von 17 Prozent auf 23 Prozent gestiegen. Die immer wieder geforderte – weil sinnvolle – Kooperation und Vernetzung ist damit wieder einen Schritt vorangekommen.

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