ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2014Alte Menschen: Depression nicht als Demenz fehldiagnostizieren

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Alte Menschen: Depression nicht als Demenz fehldiagnostizieren

PP 13, Ausgabe August 2014, Seite 342

Bühring, Petra

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Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche können nicht nur Anzeichen für eine Demenz sein, sondern auch für eine Depression. Foto: iStockphoto
Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche können nicht nur Anzeichen für eine Demenz sein, sondern auch für eine Depression. Foto: iStockphoto

„Bei älteren Menschen werden Depressionen und beginnende Demenzen häufig verwechselt, weil sich die Symptome sehr ähneln“, erklärte Rainer Richter, Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) anlässlich der Publikation eines Flyers zum Thema „Pseudodemenz“. Herausgegeben wird der Flyer „Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche im Alter – Depression oder Demenz?“ von der BPtK gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen und der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche könnten nicht nur Anzeichen für eine Demenz sein, sondern auch bei einer Depression auftreten („Pseudodemenz“). Weil sich die Beschwerden der beiden Erkrankungen stark überlappen können, sei das Risiko groß, dass Depressionen im Alter als Demenzen fehldiagnostiziert werden. Eine korrekte Diagnose sei jedoch wichtig, da Depressionen auch im Alter gut behandelbar seien, Demenzen hingegen meist nicht.

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Betroffene, die sich Sorgen machen, dement zu sein, will die Kammer mit dem Flyer ermutigen, abklären zu lassen, ob ihre geistigen Leistungseinbußen auf eine Demenz oder eine Depression hinweisen. „Wir brauchen eine größere Sensibilität dafür, dass sich hinter Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche im Alter auch eine depressive Störung verstecken kann“ so Richter. Studien belegten, dass bei bis zu 20 Prozent derjenigen, die zur Abklärung einer Demenz eine Gedächtnissprechstunde aufsuchen, eine Depression für die geistigen Leistungseinbußen wie Vergesslichkeit, geringe Aufmerksamkeit und Konzentrationsstörungen verantwortlich ist.

„Die Depression ist immer auch ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenz – sie beschleunigt den Abbau kognitiver Leistungen“, sagte die Gerontopsychologin Katja Werheid von der Humboldt-Universität Berlin bei einem Symposium der BPtK zu dem Thema am 1. Juli. Häufig trete Depression bei Demenzkranken als Komorbidität auf: körperliche und geistige Inaktivität, Scham sowie sozialer Rückzug bedingten sich dann gegenseitig. Symptom-Überlappungen wie Inaktivität, Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit machten eine Diagnose oft schwierig.

Hausarzt Bernd Zimmer, Wuppertal, wies darauf hin, dass man mit Hilfe von Testdiagnostik zunächst eine hohe Trennschärfe erzeugen müsse. „Die Testdiagnostik darf den Patienten kognitiv nicht überfordern, und sie darf nicht verletzend sein.“ In seiner Praxis seien auch die Medizinischen Fachangestellten geschult, die Testdiagnostik durchzuführen. „Gerade am Tresen werden Auffälligkeiten häufig sichtbar“, sagte Zimmer.

Weitere Informationen im Internet unter www.bptk.de/publikationen/bptk-infomaterial.html PB

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