ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2014Psychisch Kranke: Kürzere Lebenserwartung als Raucher

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Psychisch Kranke: Kürzere Lebenserwartung als Raucher

PP 13, Ausgabe August 2014, Seite 375

Meyer, Rüdiger

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Viele Menschen mit psychischen Erkrankungen haben eine verkürzte Lebenserwartung. Der Einfluss ist einer Meta-Analyse in World Psychiatry zufolge bei vielen Erkrankungen größer als die schädlichen Auswirkungen von Tabakrauchen. Menschen mit Psychosen haben ein erhöhtes Suizidrisiko, Patienten mit Depressionen vernachlässigen oft ihre Gesundheit, junge Frauen mit Anorexie hungern sich zu Tode, Drogenabhängige sind durch Überdosierungen, Gewalttaten oder Infektionen gefährdet. In der Summe ergibt dies ein signifikant erhöhtes Sterberisiko, das in früheren Untersuchungen eher unterschätzt wurde, wie Seena Fazel von der Universität Oxford berichtet. So seien E. C. Harris und B. Barraclough von der Universität Southampton in ihrer Übersicht (British Journal of Psychiatry 1998; 173: 11–53) davon ausgegangen, das eine Schizophrenie mit einem 1,6-fach erhöhten Sterberisiko einhergehe. Neuere Untersuchungen schätzen die standardisierte Mortalitätsrate (SMR) jedoch auf 2,5. Auch die SMR der Opiatsucht sei mehr als doppelt so hoch wie früher angenommen (14,7 statt 6,4).

Das Team um Fazel legt jetzt in einer Meta-Analyse eigene Zahlen vor. Grundlage waren insgesamt 20 frühere Übersichten, die nach einer Prüfung von 406 Zitationen aus den Jahren 1998 bis Februar 2014 für die Meta-Analyse ausgewählt wurden. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass zehn psychische Erkrankungen das Sterberisiko stärker erhöhen als Tabakrauchen. Dies waren Opiatsucht (14,7), Amphetamin-Sucht (6,2), Kokainabhängigkeit (6,0) Anorexia nervosa, expansive Verhaltensstörungen (5,0), Methamphetaminkonsum (4,7), akute oder transiente Psychose (4,7), Alkoholismus (4,6), Persönlichkeitsstörung (4,2) sowie geistige Behinderungen (2,8). Die Zahlen in den Klammern geben neben SMR auch relative Risiken (RR) oder Odds Ratios (OR) an, deren Definitionen sich im Detail unterscheiden, die jedoch alle den relativen Anstieg des Sterberisikos beschreiben. Die Zahl für das Rauchen beträgt 2,6, das damit riskanter für das Leben ist als Schizophrenie (2,5), bipolare Störung (2,2), Bulimia nervosa (1,9), Essstörungen allgemein (1,9), Depressionen (1,6), dysthymische Störungen (1,4) eine komorbide Angststörung/Depressionen (1,4) und der Cannabiskonsum (1,2).

Anschaulicher ist die Auswirkung auf die Lebenserwartung. Menschen mit bipolaren Störungen sterben im Durchschnitt neun bis 20 Jahre früher, Patienten mit Schizophrenie verlieren zehn bis 20 Lebensjahre, bei Drogenkonsumenten und Alkoholikern beträgt der Lebenszeitverlust neun bis 24 Jahre, bei der Depression sind es sieben bis elf Jahre. Starke Raucher verzichten auf acht bis zehn mögliche Lebensjahre. Fazel stellt Raucher und Menschen mit psychischen Erkrankungen bewusst gegenüber. Anders als das Rauchen sind psychische Erkrankungen nicht immer vermeidbar, es gebe jedoch für viele Erkrankungen heute effektive Therapien, schreibt Fazel, die jedoch nicht hinreichend angeboten würden. rme

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Chesney E, Goodwin GM, Fazel S.: Risks of all-cause and suicide mortality in mental disorders: a meta-review. World Psychiatry 2014; 13: 153–60.

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