ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2014Psychologie in Liebesromanen: Erweiterung des eigenen Handlungsspielraums

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Psychologie in Liebesromanen: Erweiterung des eigenen Handlungsspielraums

PP 13, Ausgabe August 2014, Seite 377

Kraft, Maria

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Auf gut lesbaren 228 Seiten nimmt der Berliner Psychotherapeut und Autor zahlreicher Fachbücher, Wolfgang Krüger, den Leser mit auf eine „psychologische Reise durch zwölf Liebesromane“. Die Auswahl der Romane traf er aufgrund ihrer Länder- und zeitübergreifenden Bedeutung und ihrer Zugehörigkeit zur klassischen Weltliteratur sowie eigener Vorlieben. Das Buch zeigt eine klare und straffe Gliederung. Die Leistung, „in aller Kürze“ zu Beginn eines jeden Kapitels eine Kernaussage der manchmal mehr als 1 000 Seiten umfassenden Romangeschichten zu formulieren, verdient eine besondere Anerkennung und erweckt schnell Neugier auf mehr Informationen. Diese gibt der Autor, indem er zunächst seinen eigenen Bezug herstellt, sich gewissermaßen ein bisschen selbst auf die Couch legt. Das macht ihn sympathisch. Er betont, dass er keine wissenschaftliche Abhandlung verfassen, sondern den neugierig gewordenen Leser zum Lesen der zwölf Liebesromane verführen möchte.

Man kennt zwar noch Dr. Schiwago, Madame Bovary und Scarlett O’Hara, aber erinnert man sich auch an ihre Geschichte? In gut verständlicher Sprache zeigt der Autor die Probleme und Konflikte der jeweiligen Paare auf und erklärt, wie ihre Liebe gelingen kann oder scheitern muss, wie zum Beispiel bei Leo Tolstois Anna Karenina oder Theodor Fontanes Effi Briest. Die tragisch endenden Liebesgeschichten sind deutlich in der Überzahl, aber schließlich sind es ja stets die Dramen, die mehr fesseln als ruhig dahinplätscherndes Liebesglück.

Am Schluss eines jeden Kapitels weist Krüger auf die Biografie des Romanverfassers hin. Hier zeigt sich, dass auch die großen Schriftsteller das beschreiben und zum Thema machen, was sie selbst kennen. Vor dem Hintergrund der biografischen Mitteilungen und Zusammenhänge bekommt das Konfliktthema der Romane damit eine zusätzliche Bedeutung, von der gern noch mehr zu lesen wäre.

Der Autor schließt sich der Meinung Victor E. Frankls an, dass Lesen heilen könne. Das Interesse am Liebesleben anderer Paare sei nicht als Zeichen der Neugier zu verstehen, sondern als Erweiterung der Möglichkeiten, Probleme zu bewältigen. Und wer braucht nicht eine Erweiterung des eigenen persönlichen Handlungsspielraums bei der Lösung von Liebesproblemen, die zum Alltag einer jeden psychotherapeutischen Praxis gehören? Maria Kraft

Wolfgang Krüger: Effi Briest auf der Couch. Eine psychologische Reise durch zwölf Liebesromane. Books on Demand, Norderstedt 2014, 228 Seiten, kartoniert, 14,90 Euro

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