ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2014Gutachten: Auf dem Pulverfass
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Ich bin in einem dörflichen Zentrum (Mittelpunktgemeinde mit vielfältiger Infrastruktur) als Frauenärztin der Basisversorgung niedergelassen. Die nächsten fachgleichen Praxen sind zehn Kilometer entfernt. Offiziell ist unsere relativ große Region überversorgt. Seltsamerweise kommen Frauen mit akuten Beschwerden, die eventuell auch noch neu zugezogen sind, selbst in der nächsten Großstadt nicht kurzfristig an eine Behandlung. So viel zur Überversorgung hier. Die Zahlen des Bedarfs passen einfach bei großen Berechnungsregionen oft schlecht. Ich denke, das ist auch für andere Fachgruppen regionsweise so. Durch Jobsharing (erzwungen durch Krankheit, nicht freiwillig!) bin ich so gedeckelt, dass ich die nicht versorgten Frauen nur unter Honorarverzicht bei natürlich weiter anfallenden Kosten versorgen kann (Abzug zurzeit bis zu 5 000 Euro pro Quartal). Das ist bei Allgemeinärzten, die zum Beispiel wegen Wunsch nach Teilzeitarbeit aus familiären Gründen Jobsharing machen, sicher auch ein Problem, selbst wenn sie nicht wie ich bei heruntergefahrener Fallzahl mit schlechter Startbedingung berechnet werden. Das sowie die ohnehin aberwitzigen Honorarberechnungen verringern mit Sicherheit den Wunsch nach Niederlassung, zumal die Banken bei derartig unsicheren Geschäftsbedingungen auch nicht gerade sehr bereitwillig vernünftige Kredite geben. Meiner Meinung nach hilft als einzige Maßnahme die vernünftige Honorierung unserer Leistungen in festen (!) und angemessenen Eurobeträgen, damit man betriebswirtschaftlich kalkulieren kann und nicht bei ständig schwankenden, zu niedrigen Pauschalen, steigenden allgemeinen Unkosten sowie Tariferhöhungen für die MFAs (sicher mehr als gerechtfertigt, aber wenn der Betrieb kaum die Inflationsrate ausgeglichen bekommt, problematisch!) auf dem Pulverfass sitzt und dazu noch in den Medien erfährt, wie unverschämt hoch unsere Honorare sind . . .

Dr. med. Sabine Becke, 31535 Neustadt

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