ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2014Börsebius: Von allen guten Geistern verlassen

GELDANLAGE

Börsebius: Von allen guten Geistern verlassen

Dtsch Arztebl 2014; 111(33-34): A-1433 / B-1236 / C-1177

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Die Banco Espírito Santo ist derzeit in aller Munde und hat dafür gesorgt, dass die Weltbörsen im Moment dramatisch einbrechen. Ich habe mich schon vor mehr als einem Jahr an dieser Stelle über das portugiesische Institut ausgelassen („Göttliche Wegelagerer“ Deutsches Ärzteblatt, Heft 13/2013). Damals habe ich „Espírito Santo“ aber nur als Metapher benutzt, um über die Commerzbank zu schimpfen.

Dabei wäre genauso Anlass gewesen, sich erst recht über das portugiesische Geldhaus boshaft auszulassen, denn dort wurden offenbar systematisch Milliardenrisiken verschleiert und verschoben und wieder einmal musste jüngst das europäische Bankenrettungssystem einspringen, um in letzter Not Schlimmeres zu verhindern. Das geht natürlich alles zulasten öffentlicher Hände und am Ende ist der Steuerzahler wieder der Dumme.

Aber auch deutsche Kunden der Banco Espírito Santo waren mit ihren Tages- und Festgeldeinlagen, die sie bei diesem Haus angelegt hatten, in höchster Gefahr. Ich mag es kaum glauben, aber es ist wirklich wahr, binnen weniger Wochen fielen etliche Leute auf den aggressiven Werbeauftritt der portugiesischen Bank in Deutschland herein und überwiesen mehrere Millionen Euro an dieses Institut. Offenbar haben viele deutsche Sparer gar kein Problem, ihr Geld zu exotischen Adressen zu tragen.

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Just schlage ich das Handelsblatt auf und finde dort eine aktuelle Hitliste von Festgeldanbietern mit den „besten Konditionen“. An der Spitze liegt die Vakifbank, gefolgt von der Deniz Bank. Persönlich würde ich mir dreimal überlegen, mein Geld dort hinzutragen. Anscheinend fallen aber reihenweise Anleger – siehe Banco Espírito Santo – auf solche Hitlisten rein und vernachlässigen die Risiken. Und das offenbar nur, weil diese Institute ein halbes Prozent mehr bieten? Das ist einfach sträflich und diese Klientel muss meiner Meinung nach von allen guten Geistern verlassen sein. Echt jetzt.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 6. September 2014 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenfreie Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

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