ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2014Frage der Woche an . . . Pascal Nohl-Deryk, Bundeskoordinator der AG Gesundheitspolitik der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd)

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Pascal Nohl-Deryk, Bundeskoordinator der AG Gesundheitspolitik der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd)

Stadt oder Land – wo möchten die künftigen Ärzte lieber arbeiten und warum?

Dtsch Arztebl 2014; 111(33-34): [4]

Hillienhof, Arne

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Der Ärztemangel vor allem in ländlichen Regionen wird immer drängender. Die Politik scheint kein Patentrezept zu haben. Zwangsmaßnahmen wie eine Landarztquote oder Pflichtabschnitte im Bereich der Allgemeinmedizin während des praktischen Jahres werden in Betracht gezogen.

Stadt oder Land – wo möchten die künftigen Ärzte lieber arbeiten und warum?

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Nohl-Deryk: Das ist sicherlich eine Frage, die jeder Einzelne für sich selbst beantworten muss. Generell sehen wir aber einen Trend zur Stadt. Das ist nicht mediziner-spezifisch, die aktuelle Urbanisierung zieht sich durch alle Fachrichtungen. Nur bei der Ärztin oder beim Arzt fällt es besonders auf, wenn sie oder er nicht mehr schnell erreichbar ist. Aber wie sollte man es jemandem verübeln, sich nicht mehr dort niederlassen zu wollen, wo auch keine Bäckerei, kein Supermarkt und keine Schule mehr ist?

Der demografische Wandel im ländlichen Raum und die Wiederherstellung seiner Attraktivität ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und kann nicht mit Sondervorschriften für (angehende) Mediziner abgetan werden. Zwangsmaßnahmen wie eine Landarztquote gehen nicht nur am eigentlichen Problem vorbei, sondern dürften sich auch langfristig als nicht haltbar erweisen. Getrennt werden sollte auch zwischen Wohn- und Arbeitsort. Schließlich ist es durchaus möglich, städtisch zu wohnen und ländlich zu arbeiten. Die Wahl des Arbeitsortes fällt letztlich vor allem dahin, wo die Arbeit am meisten Freude bereitet.

Es muss also darum gehen, Studierende von der ländlichen Versorgung zu überzeugen, statt sie zu verpflichten. Schließlich gibt es wunderschöne Landstriche, wie ich aus meiner eigenen Heimat weiß. Ein möglicher Ansatz ist das Land.in.Sicht-Projekt der bvmd und der KV Bayerns. Das startet gerade in einem Pilotversuch für den Sommer und fördert haus- und fachärztliche Famulaturen in ländlichen und (drohend) unterversorgten Regionen. Wir hoffen, damit Studierende für die primärärztliche Versorgung begeistern zu können. hil

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