ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2014Honorare der Vertragsärzte: Schrittweise raus aus dem Budget

POLITIK

Honorare der Vertragsärzte: Schrittweise raus aus dem Budget

Dtsch Arztebl 2014; 111(33-34): A-1393 / B-1201 / C-1145

Korzilius, Heike

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Die schrittweise Einführung fester Preise und eine Anhebung des kalkulatorischen Arztgehalts – mit diesen Kernforderungen geht die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in die Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen für 2015.

Am 20. August starten in Berlin die Verhandlungen über die Honorare der rund 150 000 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte für 2015. Die KBV gibt sich kämpferisch, denn nach ihren Berechnungen fehlen in der ambulanten Versorgung gut fünf Milliarden Euro. „Das ist nicht die Forderung, mit der wir in die Honorarverhandlungen gehen“, sagte der KBV-Vorsitzende Dr. med. Andreas Gassen am 30. Juli vor der Presse in Berlin. „Das ist eine Bestandsaufnahme.“ Das Grundproblem sei, dass die Krankenkassen nur begrenzt Geld für die Gesundheit ihrer Versicherten zur Verfügung stellten. Dem begrenzten Geld stehe aber ein unbegrenzter Leistungsanspruch der Versicherten gegenüber, ergänzte KBV-Honorardezernent Dr. rer. pol. Ulrich Casser. Die Folge: Die Vertragsärzte erhielten rund zehn Prozent ihrer Leistungen nicht vergütet. Das entspreche einem Wert von rund 2,3 Milliarden Euro.

Außerdem habe der kalkulatorische Arztlohn, der sich am Gehalt eines Oberarztes im Krankenhaus orientiert und 2008 festgelegt wurde, mit der tatsächlichen Entwicklung der Tarifgehälter nicht Schritt gehalten. „Der Marburger Bund hat für die Krankenhausärzte deutliche Lohnsteigerungen herausgehandelt. Das wurde bei den Niedergelassenen nie angepasst“, erklärte Gassen.

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Bis zum 31. August müssen die Honorarverhandlungen abgeschlossen sein. Bis dahin müssen sich KBV und Kassen auf eine Anpassung des Orientierungswerts einigen, nach dem sich der Preis für die einzelne ärztliche Leistung berechnet. Er liegt zurzeit bei 10,13 Cent. Bei der Anpassung sollen Investitions- und Betriebskosten sowie Wirtschaftlichkeitsreserven berücksichtigt werden. Nach dem Willen der KBV soll diesmal auch die Anpassung des kalkulatorischen Arztlohns berücksichtigt werden. Er liegt zurzeit bei 105 000 Euro, müsste aber nach Ansicht der KBV bei einer Wochenarbeitszeit von 51 Stunden rund 133 000 Euro betragen. Für die Krankenkassen würde das Mehrausgaben von rund drei Milliarden Euro bedeuten.

Außerdem wird über die Weiterentwicklung der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung, des Budgets, verhandelt. Einfließen soll hier die Veränderung der Häufigkeit und Schwere der ambulant behandelten Erkrankungen. Die Morbiditätsrate sei jedoch nur eine Empfehlung für die Honorarverhandlungen in den Regionen, erklärte Casser.

Ein wesentliches Ziel der KBV in den Honorarverhandlungen ist es, weitere Leistungen aus dem Budget herauszulösen. Sie will durchsetzen, dass sogenannte Basisleistungen zu festen Preisen ohne Mengenbegrenzung vergütet werden. Danach würde bei Patienten mit unspezifischer Erkrankung die Kurzanamnese mit symptombezogener Untersuchung im persönlichen Arzt-Patient-Kontakt künftig mit zehn Euro vergütet. 200 Millionen Euro müssten die Kassen dafür zusätzlich bereitstellen. Dasselbe würde auch für Untersuchungen gelten, bei denen Patienten eine Zweitmeinung einholen. Dafür müssten die Kassen zusätzlich 1,7 Milliarden Euro zuschießen.

Ein Ende des Budgets sowie feste und kostendeckende Preise für alle erbrachten Leistungen hatte die KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung bereits 2012 gefordert. Wie Casser jetzt erklärte, hat der Bewertungsausschuss zumindest damit begonnen, den Umfang des Budgets zu reduzieren. Zwischen 2009 und 2013 seien Leistungen im Wert von fast zehn Milliarden Euro aus der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung herausgelöst worden, darunter das ambulante Operieren, die Dialysesachkosten und zuletzt die psychotherapeutischen Leistungen.

Auf der honorarpolitischen Agenda steht auch die Weiterentwicklung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM). Im Hausarzt-EBM sollen nach dem Willen der KBV vom 1. Januar 2015 an Zuschläge für die Vorhaltung technischer Basisausstattung wie EKG-Geräte, Geräte zur Langzeit-Blutdruckmessung oder Ultraschall eingeführt werden. Gerätekosten sollen sich auch bei geringer Fallzahl amortisieren können. „Das wird nicht einfach werden, aber Honorarpolitik ist auch Strukturpolitik“, sagte KBV-Vorstand Regina Feldmann mit Blick auf den drohenden Hausärztemangel. Außerdem sollen die Möglichkeiten für Hausärzte erweitert werden, Leistungen an qualifizierte nichtärztliche Praxisassistentinnen zu delegieren.

Strukturelle Anpassungen soll es auch im Facharzt-EBM geben, die am 1. Januar 2016 in Kraft treten sollen. Ziel ist, die Pauschalierung zurückzuführen, damit der Behandlungsaufwand und ärztliche Schwerpunkte besser abgebildet werden können.

Heike Korzilius

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