ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2014Wartezeiten: Die Ursachen bekämpfen

SEITE EINS

Wartezeiten: Die Ursachen bekämpfen

Dtsch Arztebl 2014; 111(33-34): A-1387 / B-1195 / C-1139

Maibach-Nagel, Egbert

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Egbert Maibach-NagelChefredakteur
Egbert Maibach-Nagel
Chefredakteur

Dass Vertreter gesetzlicher Krankenversicherer lieber auf Kontrolle als auf ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und Ärzten setzen, überrascht nicht. Die Vehemenz, mit der Dr. med. Christoph Straub als Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK auf eine von der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung dokumentierte Einschätzung der Versicherten zum Vorhaben verpflichtender Terminservicestellen („Patienten loben ihre Ärzte“ in diesem Heft) reagierte, spricht Bände: Die Ärzte sollten ihre Skepsis gegen die vom Bund geplante verpflichtende Terminvergabe für Fachärzte aufgeben, kommentierte Straub bereits wenige Stunden nach Veröffentlichung der Umfrage in populistischer Attitüde.

Dabei hat, wer der Darstellung der Ärzte gefolgt ist, feststellen können, dass hier alles andere als prinzipiengefälliger Widerstand das Motiv der Kritik war. Schon die Fakten lassen das gar nicht zu: Vier von fünf Versicherten kannten das im Koalitionsvertrag fixierte Vorhaben, Servicestellen zur Facharzttermin-Vermittlung einzuführen, gar nicht. Sie mussten erst darüber informiert werden. Nach Aufklärung fanden dann zwei Drittel der Befragten den Plan „gut“. Aber drei von fünf Versicherten glaubten nicht an den Erfolg des Plans. Sind die Patienten pragmatischer als ihre Versicherer?

Anzeige

Der Ärzteschaft diesbezüglich falsche Skepsis zu unterstellen, erinnert an die Diskussion um die Einführung der Praxisgebühr. Diese sollte die Lage in den Arztpraxen entspannen, die Frequenzen der Arztbesuche herunterfahren. Funktioniert hat es nicht. Die Ärzte hatten genau davor gewarnt, mussten die bürokratischen Unbilden bis zur Abschaffung der Maßnahme dann trotzdem tragen. Dass die ärztliche Selbstverwaltung jetzt vor dem nächsten bürokratischen Vorhaben der Regierung eine fundierte Analyse vornehmen und daraus die notwendigen Schritte ableiten will, ist nachvollziehbar – und schafft Handlungsoptionen, die auf Bedarfe rekrutieren statt nach der Bürgerversicherung zu schreien. Das aber ist von den gesetzlichen Krankenkassen nicht gewollt.

Dinge beim Namen zu nennen – etwa, dass eine verpflichtende Facharztterminierung zwangsläufig die freie Arztwahl aushebelt, aber mehr als 70 Prozent der Patienten gerade das für wichtig hält – passt manchem Kassenvertreter in seinem Kampf gegen die privatversichernde Konkurrenz genauso wenig ins Konzept wie der Hinweis, dass angesichts begrenzter Ressourcen eine offene Diskussion zu führen ist, ob und wie Reglementierungen zu setzen sind. Das wird zurzeit von den Ärzten, nicht von den Kassen thematisiert.

Und um etwaiger restlicher Skepsis über eine einseitige Darstellung den Raum zu nehmen: Die Ärzteschaft hat mit der Umfrage auch herausgestellt, dass die Wartezeiten für bestimmte Facharzttermine durchaus steigen. Allerdings wird auch offen angesprochen, dass Ursachenbekämpfungen – sprich Maßnahmen gegen den Ärztemangel – anstehen, statt sich auf Symptome zu stürzen und darauf zu beschränken, durch Zwangsterminierungen wachsende Mängel zu verwalten.

Dass innerhalb der ärztlichen Selbstverwaltung erfolgreich Wege beschritten werden, absehbare Mangelsituationen strukturiert anzugehen, ist augenfällig (unter anderem „Gegen den Ärztemangel“ in diesem Heft). Statt an Symptomen herumzudoktern, sollten mehr Krankenkassen so vielversprechende Initiativen tatkräftig unterstützen.

Egbert Maibach-Nagel
Chefredakteur

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema