ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2014Ambulante Versorgung in Thüringen: Erste niedergelassene Stipendiaten

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Ambulante Versorgung in Thüringen: Erste niedergelassene Stipendiaten

Dtsch Arztebl 2014; 111(33-34): A-1396 / B-1204 / C-1148

Richter-Kuhlmann, Eva

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Die Stiftung zur Förderung ambulanter ärztlicher Versorgung in Thüringen beging im Juli ihr fünfjähriges Jubiläum. Das anfangs skeptisch betrachtete Projekt hat sich zu einem Erfolgsmodell mit bundesweiter Vorbildfunktion gemausert.

Mark Schmidt (l.) und Jeanin Brückner (r.) unterhalten sich mit dem Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Regina Feldmann (Mitte) Foto: picture alliance/Jens-Ulrich Koch für Deutsches Ärzteblatt
Mark Schmidt (l.) und Jeanin Brückner (r.) unterhalten sich mit dem Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Regina Feldmann (Mitte) Foto: picture alliance/Jens-Ulrich Koch für Deutsches Ärzteblatt

Die Arbeit der „Stiftung zur Förderung ambulanter ärztlicher Versorgung in Thüringen“, die junge Ärztinnen und Ärzte fördert, die sich in Thüringen niederlassen wollen, trägt Früchte: Die ersten neun ehemaligen Stipendiaten haben sich inzwischen in Thüringen als Hausärzte niedergelassen. „Viele möglichen Fallstricke bei einer neuen Niederlassung lassen sich so umgehen“, sagte Dr. med. Mark Schmidt, einer der ersten Stipendiaten und jetzt niedergelassener Allgemein- und Sportmediziner in Erfurt. Die nicht nur finanzielle, sondern auch ideelle Förderung trage tatsächlich dazu bei, junge Ärzte in die Niederlassung zu ziehen.

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Eine von ihnen ist Dr. med. Jeanin Brückner, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, die vom Krankenhaus in die Praxis von Schmidt wechselte, um die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin zu absolvieren. Jetzt ist sie – wie einst Schmidt – Stipendiatin der gemeinsam von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und dem Freistaat Thüringen gegründeten Stiftung. „Die ambulante Tätigkeit ermöglicht es mir, Beruf und Familie besser unter einen Hut zu bekommen und ist zudem sehr befriedigend“, erläuterte sie gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Die Stiftung habe gezeigt, „wie man Ärzte unterstützen kann, sich in Erfurt, in Eisfeld, in Bad Klosterlausnitz oder in Heringen niederzulassen“, betonte Dipl.-Med. Regina Feldmann, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Stiftung am 22. Juli die Praxis von Schmidt und seiner Mutter in Erfurt besuchte. Vor fünf Jahren habe sie als damalige Vorsitzende der KV Thüringen und „Mutter der Stiftung“ Mühe gehabt, der Landesregierung zehn Stipendien abzuringen. Heute habe die Stiftung mehr als 100 Stipendiaten. Feldmann: „Das ist ein großer Erfolg.“

Die Erste Vorsitzende des Vorstandes der KV Thüringen, Dr. med. Annette Rommel, verwies auf das breite Angebot der Fördermöglichkeiten durch die Stiftung vom Studium bis zur Niederlassung. „Das Modell löst nicht Knall auf Fall alle Probleme. Es leistet aber seinen Beitrag zur Sicherstellung der ambulanten Versorgung“, betonte Rommel.

Konkret fördert die Stiftung die ambulante fachärztliche Weiterbildung bis zu 60 Monate lang mit monatlich 250 Euro. Derzeit erhalten 106 künftige Allgemeinmediziner und fünf künftige Augenärzte dieses Stipendium. Sieben weitere Anträge liegen vor. Voraussetzung ist, dass die Stipendiaten nach Abschluss ihrer Weiterbildung vier Jahre in der ambulanten medizinischen Versorgung in Thüringen arbeiten. Neu im Förderpaket der Stiftung sind Stiftungspraxen, in denen junge Ärzte zunächst angestellt arbeiten, jedoch mit dem Ziel, die Praxis später zu übernehmen. Eine solche Praxis gibt es im Moment in Gräfenthal, eine weitere soll im Oktober in Gera öffnen. Seit Juli dieses Jahres werden zudem Famulaturen in thüringischen Hausarztpraxen sowie Tertiale in der Allgemeinmedizin im praktischen Jahr mit monatlich 250 Euro gefördert.

Das Thüringer Modell diene inzwischen auch als Vorlage für eine Stiftungsidee zur Förderung der ambulanten Weiterbildung auf Bundesebene, sagte Feldmann. Ein Konzept sei fertig; derzeit befinde man sich in Gesprächen mit dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium. „In Thüringen wird sichtbar, was erreicht werden kann, wenn alle an einem Strang ziehen“, betonte sie. Es sei zudem nötig, bereits die Studierenden mit der ambulanten Versorgung vertraut zu machen.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

@ „5 Fragen an . . .“ Dr. med. Annette Rommel: www.aerzteblatt.de/59477
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