ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2014Weitere potenzielle Lokationen für Läsionen
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Als Ursachen iatrogener Nervenläsionen werden in der Übersichtsarbeit (1) Durchtrennung, Quetschung und Kompression, Durchbohrung und Aufdrehung genannt. Unter den Eingriffen, die zu iatrogenen Nervenläsionen geführt hatten, wird die Herniotomie als großer abdominal-chirurgischer Eingriff beschrieben. Dies entspricht sicherlich nicht der allgemeinen Einschätzung, mithin stellt die Leistenhernienoperation nach dem Sozialgesetzbuch einen Eingriff dar, der in der Regel ambulant erfolgen sollte. Demgegenüber werden in der Arbeit andere abdominal- und gefäßchirurgische Eingriffe gar nicht erwähnt.

Das am besten evaluierte Datenmaterial findet man sicherlich für die 90 000 Schilddrüsenoperationen, die pro Jahr in Deutschland durchgeführt werden. Die Häufigkeit passagerer und permanenter Paresen des Nervus recurrens wird in einer aktuellen multizentrischen Studie mit 2–4 % angegeben. Da in aller Regel Schilddrüsenoperationen mit einem prä- und postoperativen halsnasen-ohrenärztlichen Konsil durchgeführt werden, sind diese Daten sicherlich valide. Nervenläsionen bei Schilddrüsenoperationen sind somit sicherlich ungleich häufiger als die, die in der Tabelle 1 angegeben werden.

Ein weiterer sehr interessanter Aspekt betrifft die circa 35 000 Carotisoperationen, die pro Jahr in Deutschland durchgeführt werden. Eines der Risiken der operativen Behandlung von Carotisstenosen ist das der peripheren Nervenläsion. Diese betrifft am häufigsten den Nervus hypoglossus. Gerade in der Diskussion, ob man eine Carotisstenose operieren oder mit einem Stent behandeln sollte, kommt der Beurteilung peripherer Nervenläsionen besondere Bedeutung zu.

Auch wenn derlei Nervenläsionen offensichtlich von den Autoren nicht operativ behandelt worden sind, hätte man sie in der Diskussion zumindest erwähnen sollen.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0602b

Prof. Dr. med. Heiner H. Wenk

Zentrum für Chirurgie – Allgemein-, Gefäß- und Visceralchirurgie

Klinikum Bremen-Nord, Bremen

a.g.chirurgie@klinikum-bremen-nord.de

1.
Antoniadis G, Kretschmer T, Pedro MT, König RW, Heinen CPG, Richter HP: Iatrogenic neurological damage—prevalence, diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 273–9. VOLLTEXT
1.Antoniadis G, Kretschmer T, Pedro MT, König RW, Heinen CPG, Richter HP: Iatrogenic neurological damage—prevalence, diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 273–9. VOLLTEXT

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