ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2014Motorische Ersatzplastiken
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Die Autoren weisen in ihrem Übersichtsartikel auf eine wichtige und schwerwiegende Komplikation chirurgischer Eingriffe hin. Sie zeigen eindrücklich, dass eine adäquate Diagnostik und Therapie nach Nervenverletzung eine signifikante Verbesserung der Beschwerden erzielen kann (1). Unerwähnt bleibt jedoch bedauerlicherweise die wichtige therapeutische Option der (früh-)funktionellen Wiederherstellung durch motorische Ersatzplastiken.

Häufig kann eine ausreichende Reinnvervation nach Verletzung und Nervenrekonstruktion nicht erzielt werden, zumal die Regenerationsfähigkeit der peripheren Nerven an den Extremitäten mit zunehmendem Alter deutlich schlechter wird (2, 3). Hier kann das Endergebnis mittels einer funktionellen Rekonstruktion durch motorische Ersatzplastiken eine deutliche Verbesserung für die betroffenen Patienten bewirken. Bei diesem operativen Verfahren werden funktionslose Muskeln durch gesunde Muskeln oder Sehnen ersetzt, die somit deren Funktion übernehmen. Durch die Umsetzung dieser Muskeln kann die verloren gegangene Funktion häufig ganz- oder teilweise wiederhergestellt werden.

Exemplarisch seien hier die Steigbügelplastik zur Korrektur der Fußheberschwäche bei Peroneusläsion oder die Radialisersatzplastik zur Wiederherstellung der Handgelenks- und Langfingerstreckung bei Radialisparese genannt (4). Wichtig ist dabei – wie von den Autoren schon beschrieben – das intensive physiotherapeutische Training, um Kontrakturen zu vermeiden, die den Einsatz einer Ersatzplastik unmöglich machen können. Auch ein kombiniertes Vorgehen von Rekonstruktion des Nerven und Ersatzplastik kann sinnvoll sein.

Diese wichtige Versorgungsmöglichkeit sollte bei einer traumatisch oder iatrogen bedingten Verletzung peripherer Nerven an den Extremitäten bei der Entscheidung über die weitere Therapie immer mitberücksichtigt werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0603b

Dr. med. Tobias Hirsch

Prof. Dr. med. Marcus Lehnhardt

Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte,
Handchirurgiezentrum, Operatives Referenzzentrum für Gliedmaßentumore

BG Universitätskliniken Bergmannsheil, Ruhr Universität Bochum

tobias.hirsch@rub.de

1.
Antoniadis G, Kretschmer T, Pedro MT, König RW, Heinen CPG, Richter HP: Iatrogenic neurological damage—prevalence, diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 273–9. VOLLTEXT
2.
Brüser P: Motorische Ersatzoperationen an der oberen Extremität. Dtsch Arztebl 1999; 96: A-1134–9 VOLLTEXT
3.
Rosén B, Lundborg G: The long term recovery curve in adults after median or ulnar nerve repair: a reference interval. J Hand Surg Br 2001; 26:196–200 CrossRef MEDLINE
4.
Steinau HU, Tofaute A, Huellmann K, et al.: Tendon transfers for drop foot correction: long-term results including quality of life assessment, and dynamometric and peobarographic measurements. Arch Orthop Trauma Surg 2011; 131: 903–10. CrossRef MEDLINE
1.Antoniadis G, Kretschmer T, Pedro MT, König RW, Heinen CPG, Richter HP: Iatrogenic neurological damage—prevalence, diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 273–9. VOLLTEXT
2.Brüser P: Motorische Ersatzoperationen an der oberen Extremität. Dtsch Arztebl 1999; 96: A-1134–9 VOLLTEXT
3.Rosén B, Lundborg G: The long term recovery curve in adults after median or ulnar nerve repair: a reference interval. J Hand Surg Br 2001; 26:196–200 CrossRef MEDLINE
4.Steinau HU, Tofaute A, Huellmann K, et al.: Tendon transfers for drop foot correction: long-term results including quality of life assessment, and dynamometric and peobarographic measurements. Arch Orthop Trauma Surg 2011; 131: 903–10. CrossRef MEDLINE

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