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In unserer Arbeit (1) haben wir die operativ versorgten iatrogenen Nervenläsionen in unserer Klinik zusammengefasst. Mehrere Patienten mit Recurrensparesen nach operativen Eingriffen (Schilddrüsen- oder ventralen Halswirbelsäulenoperationen) haben sich in unserer Ambulanz vorgestellt. Bei einem Teil dieser Patienten bildeten sich die Paresen spontan zurück. Bei kompletten Nervendurchtrennungen dieses dünnkalibrigen Nervs ist unsererseits nervenchirurgisch keine Rekonstruktion möglich. Die Nervstümpfe retrahieren sich nach der Durchtrennung, sodass ihr Auffinden fast unmöglich ist. In diesen Fällen empfehlen wir rekonstruktive Eingriffe durch die HNO-Ärzte.

Eine iatrogene Läsion des Nervus hypoglossus muss nervenchirurgisch versorgt werden. Solche Läsionen haben wir in unserem Kollektiv nicht gesehen. Wenn nach drei Monaten klinisch und elektromyographisch keine Reinnervation nachweisbar ist, ist in diesen Fällen eine operative Freilegung und Nervenrekonstruktion indiziert, es sei denn, eine Nervendurchtrennung lag intraoperativ offensichtlich vor. Eine primäre End-zu-End-Naht oder eine frühe Sekundärversorgung sollte dann in drei Wochen durchgeführt werden (2).

Wir sind der Meinung, dass bei iatrogenen Nervenläsionen zeitnah und von einem erfahrenen Nervenchirurgen eine Nervenrekonstruktion erfolgen soll. Das ist das oberste Prinzip, das von einem Nervenchirurgen befolgt werden muss. Liegt aber eine große Läsion eines Nervs vor, oder wenn eine autologe Transplantation aus verschiedenen Gründen nicht vorgenommen werden kann, dann sollte an einen Nerventransfer gedacht werden (3). Es gibt unterschiedliche Nerventransfers wie

  • den Oberlin-Transfer (Koaptation eines Faszikels des Nervus ulnaris auf den Bizepsast des Nervus musculocutaneus) am Oberarm (4)
  • einen Transfer eines Trizepsastes des Nervus radialis auf den motorischen Anteil des Nervus axillaris im Schulterbereich (3)
  • einen Transfer von motorischen Ästen des Nervus medianus auf die Radialisäste für die Hand- und Fingerstreckung am proximalen Unterarm (5, 6) oder
  • die Umlenkung der Endstrecke des Nervus interosseus anterior auf den motorischen Anteil des Nervus ulnaris am distalen Unterarm (7).

Motorische Ersatzplastiken sind unseres Erachtens bei fehlender Reinnervation indiziert. Primär sollte stets das Ziel sein, die Kontinuität des Nervs wiederherzustellen, um damit den ursprünglichen Zustand zu erhalten. Muskel- und Sehnentransfers sind in unseren Augen ein Ersatz und lediglich als solcher anzusehen (2).

Letztendlich sollten iatrogene Nervenverletzungen im besten Falle vermieden werden. Falls sie doch nach einem Eingriff auftreten, sollten sie erkannt und thematisiert werden. Der Patient muss in den im Artikel angegebenen Zeiträumen in einem nervenchirurgischen Zentrum behandelt werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0604

Prof. Dr. med. Gregor Antoniadis

Dr. med. Maria T. Pedro
Neurochirurgische Klinik der Universität Ulm,

Bezirkskrankenhaus Günzburg
gregor.antoniadis@uni-ulm.de

Interessenkonflikt

Die Autoren aller Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Antoniadis G, Kretschmer T, Pedro MT, König RW, Heinen CPG, Richter HP: Iatrogenic neurological damage—prevalence, diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 273–9. VOLLTEXT
3.
Yang LJ-S, Chang KE-C, Chung KC: A systematic review of nerve transfer and nerve repair for the treatmant of adult upper brachial plexus injury. Neurosurgery 2012; 71: 417–29 CrossRef MEDLINE
4.
Teboul F, Kakkar R, Ameur N, Beaulieu JY, Oberlin C: Transfer of fascicles from the ulnar nerve to the nerve to the biceps in the treatment of upper brachial plexus palsy. J Bone Joint Surg Am 2004; 86: 1485–90 MEDLINE
5.
Davidge KM, Yee A, Kahn LC, Mackinnon SE: Median to radial nerve transfers for restoration of wrist, finger, and thumb extension. J Hand Surg Am 2013; 38: 1812–27 CrossRef PubMed Central
6.
Ray WZ, Mackinnon SE: Clinical outcomes following median to radial nerve transfers. JHS 2011; 36A: 202–8 CrossRef MEDLINE PubMed Central
7.
Flores LP: Distal anterior interosseous nerve transfer to the deep ulnar nerve and end-to-side suture of the superficial ulnar nerve to the third common palmar digital nerve for treatment of high ulnar nerve injuries: experience in five cases. Arq Neuropsiquiatr 2011; 69: 519–24 CrossRef MEDLINE
1.Antoniadis G, Kretschmer T, Pedro MT, König RW, Heinen CPG, Richter HP: Iatrogenic neurological damage—prevalence, diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 273–9. VOLLTEXT
2.Kretschmer T, Antoniadis G, Assmus H: Nervenchirurgie. Heidelberg: Springer Verlag 2014. CrossRef /td>
3.Yang LJ-S, Chang KE-C, Chung KC: A systematic review of nerve transfer and nerve repair for the treatmant of adult upper brachial plexus injury. Neurosurgery 2012; 71: 417–29 CrossRef MEDLINE
4.Teboul F, Kakkar R, Ameur N, Beaulieu JY, Oberlin C: Transfer of fascicles from the ulnar nerve to the nerve to the biceps in the treatment of upper brachial plexus palsy. J Bone Joint Surg Am 2004; 86: 1485–90 MEDLINE
5.Davidge KM, Yee A, Kahn LC, Mackinnon SE: Median to radial nerve transfers for restoration of wrist, finger, and thumb extension. J Hand Surg Am 2013; 38: 1812–27 CrossRef PubMed Central
6.Ray WZ, Mackinnon SE: Clinical outcomes following median to radial nerve transfers. JHS 2011; 36A: 202–8 CrossRef MEDLINE PubMed Central
7. Flores LP: Distal anterior interosseous nerve transfer to the deep ulnar nerve and end-to-side suture of the superficial ulnar nerve to the third common palmar digital nerve for treatment of high ulnar nerve injuries: experience in five cases. Arq Neuropsiquiatr 2011; 69: 519–24 CrossRef MEDLINE

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