Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Generell schließt das Konzept der ambulant-sensitiven Krankheitsfälle die Betrachtung von Hospitalisierungen nach chirurgischen Eingriffen nicht aus. Je nach Konstellation könnte es sich dabei sowohl um „akute Erkrankungen, die hätten vermieden werden können“ (zum Beispiel Wundinfektionen), als auch „um chronische Erkrankungen, die hätten kontrolliert werden können“ (Rehospitalisierung aufgrund erneuter Durchblutungsstörung nach gefäßchirurgischer Versorgung eines Diabetischen Fußsyndroms) handeln (1).

Demgegenüber fokussiert die zitierte Liste der geeigneten Krankheitsbilder für die Messung der Rate ambulant-sensitiver Krankenhausfälle des National Health Service (2) internistische Krankheitsbilder mit chronischem Verlauf. Der Auswahl liegen die folgenden Kriterien zu Grunde: relevant hohe Hospitalisierungsrate, klare Definition und Kodierung der Diagnosen, Krankenhauseinweisung potenziell vermeidbar, Hospitalisierung erforderlich, wenn Symptome auftreten (3). Dabei ist zu beachten, dass diese Liste in einem Gesundheitssystem entwickelt wurde, in dem fachärztliche Versorgung überwiegend an Krankenhäusern organisiert ist. Aufgrund der Unterschiede zwischen den Gesundheitssystemen und den sich daraus ergebenden Schwierigkeiten hinsichtlich der Übertragbarkeit der Diagnoselisten, wurde von den Autoren ein Forschungsprojekt zur Erstellung eines Katalogs ambulant-sensitiver Krankenhausfälle für das deutsche Gesundheitssystem initiiert. Innerhalb eines mehrstufigen Befragungsverfahrens haben 40 Ärzte (auch Chirurgen) insgesamt 240 ambulant-sensitive Indikationen identifiziert. Die Ergebnisse dieses Projekts sollen noch dieses Jahr publiziert werden.

Bei der Erfassung ambulant-sensitiver Krankenhausfälle im Zusammenhang mit der Diagnose Diabetes mellitus innerhalb der vorliegenden Analyse, wurden die Krankenhausfälle nach operativer Versorgung eingeschlossen, jedoch nicht differenziert dargestellt.

Aus Sicht der Autoren ist das Konzept ambulant-sensitiver Krankenhausfälle mit gewissen Einschränkungen generell auch auf Hospitalisierungen nach chirurgischer Versorgung übertragbar. Aus methodischen Gründen wären vorab jedoch neben den oben genannten Kriterien (3) mindestens die zusätzlichen verzerrenden Einflussfaktoren, wie beispielsweise Komorbidität, Medikation (zum Beispiel Kortikosteroide), Adherence, Qualität beziehungsweise Erfolg der operativen Versorgung, Dauer des stationären Aufenthaltes und die Qualität des Überleitungsmanagements zu bewerten und bei einer Risikoadjustierung zu berücksichtigen. Eine sachgerechte Evaluation der Eignung des spezifischen operativen Eingriffs im Zusammenhang mit einer definierten Erkrankung wäre vor einer Übertragung des Konzepts ambulant-sensitiver Krankenhausfälle unbedingt erforderlich.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0600b

Dr. med. Friederike Burgdorf

Kassenärztliche Bundesvereinigung

Berlin

fburgdorf@kbv.de

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Frank AM: Ambulatory care sensitive conditions. Erste Anwendung eines internationalen Indikators in der Steiermark. Master thesis 9010939. Medizinische Universität Graz 2009.
2.
Purdy S, Griffin T, Salisbury C, Sharp D: Ambulatory care sensitive conditions: terminology and disease coding need to be more specific to aid policy makers and clinicians. Public Health 2009; 123: 169–73 CrossRef MEDLINE
3.
Weissman JS, Gatsonis C, Epstein AM: Rates of avoidable hospitalization by insurance status in Massachusetts and Maryland. JAMA 268: 2388–94 CrossRef MEDLINE
4.
Burgdorf F, Sundmacher L: Potentially avoidable hospital admissions in Germany—an analysis of factors influencing rates of ambulatory care sensitive hospitalizations. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 215–23 VOLLTEXT
1.Frank AM: Ambulatory care sensitive conditions. Erste Anwendung eines internationalen Indikators in der Steiermark. Master thesis 9010939. Medizinische Universität Graz 2009.
2.Purdy S, Griffin T, Salisbury C, Sharp D: Ambulatory care sensitive conditions: terminology and disease coding need to be more specific to aid policy makers and clinicians. Public Health 2009; 123: 169–73 CrossRef MEDLINE
3.Weissman JS, Gatsonis C, Epstein AM: Rates of avoidable hospitalization by insurance status in Massachusetts and Maryland. JAMA 268: 2388–94 CrossRef MEDLINE
4.Burgdorf F, Sundmacher L: Potentially avoidable hospital admissions in Germany—an analysis of factors influencing rates of ambulatory care sensitive hospitalizations. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 215–23 VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema