ArchivDeutsches Ärzteblatt21/1996Transplantationen: Wahre Problematik verschwiegen
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LNSLNS Die in dem Artikel durchgeführten Befragungen gehen von der Annahme aus, daß der Zustand des Hirntodes ein Zustand nach dem Tod ist. Die gestellte Frage lautete: "Wären Sie bereit, nach Ihrem Tod Organe für andere bereitzustellen?"
Bei dieser Befragung wird die Meinung vieler anerkannter Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen ignoriert, die auf der Basis schwerwiegender Argumente den Hirntod nicht mit dem Tod des Menschen gleichsetzen und Hirntote als Sterbende anerkennen. Auch der Bischof von Berlin/Brandenburg, Prof. Dr. Wolfgang Huber, warnte erst kürzlich zur Eröffnung der "Woche für das Leben" vor der Gleichsetzung des Hirn-todes mit dem Tod der menschlichen Person. Dem Laien wird durch die Art der Fragestellung die wahre Problematik verschwiegen. Erstaunlicherweise wird diese Formulierung bedenkenlos von erfahrenen Ärzten akzeptiert. Weiterhin fällt mir auf, daß im Deutschen Ärzteblatt den Patienten, die auf ein neues Organ angewiesen sind, viel Aufmerksamkeit gewidmet wird und mit viel Aufwand Spender gesucht werden. Dies ist sehr begrüßenswert, doch die gleiche Beachtung sollten auch die Sterbenden erfahren!
Hirntote sind Sterbende, das heißt Menschen, die sich in der letzten Phase des Lebens befinden, und sie müssen die gleiche Anteilnahme erhalten wie diejenigen, die am Anfang oder in der Mitte des Lebens stehen. Wo kommen wir hin, wenn menschliches Leben zweckgerichtet und unterschiedlich beurteilt wird?
Dr. med. Inge Gorynia, Universitätsklinik für Psychiatrie/Charité, 10098 Berlin
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