ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2014Private Krankenhausträger: Der Markt ist neu aufgeteilt

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Private Krankenhausträger: Der Markt ist neu aufgeteilt

Dtsch Arztebl 2014; 111(35-36): A-1478 / B-1274

Stüwe, Heinz

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Die Größenverhältnisse bei den privaten Klinikträgern haben sich verschoben: Nach der Übernahme von 40 Rhön-Kliniken ist Fresenius Helios die Nummer eins – vor Asklepios und Sana. Aber was wird aus Rhön?

Ulf Schneider, Fresenius SE & Co. KGaA (Helios). Fotos: dpa, Rhön Klinikum AG, Sana Kliniken AG
Ulf Schneider, Fresenius SE & Co. KGaA (Helios). Fotos: dpa, Rhön Klinikum AG, Sana Kliniken AG

Neun Monate nach der Ankündigung war die letzte Hürde überwunden und der Weg endgültig frei für eine beispiellose Transaktion in der deutschen Krankenhauslandschaft. Mitte Juni gab Fresenius Helios bekannt, dass 49 Prozent der Gesellschaftsanteile an den Dr. Horst Schmidt-Kliniken (HSK) in Wiesbaden erworben worden sind, nachdem die Stadt Wiesbaden als Miteigentümer zugestimmt hatte. HSK, ein Klinikum der Maximalversorgung mit rund 1 000 Betten, war das letzte von 40 Krankenhäusern, die Fresenius Helios für rund drei Milliarden Euro von der Rhön-Klinikum AG übernommen hat. Was die Stunde geschlagen hat beim nun größten deutschen Krankenhausträger (87 Akutkrankenhäuser, 24 Reha-Kliniken und 50 Medizinische Versorgungszentren), machte Fresenius-Konzernchef Ulf Schneider Mitte Juli in einem Spiegel-Interview klar. Er sieht keinen Grund, sich für sein Gewinnstreben als Krankenhauseigentümer zu rechtfertigen. „Eine Klinik, die wir übernommen haben, muss erst nach fünf bis sechs Jahren zwölf bis 15 Prozent Rendite erwirtschaften.“ Das erfordere zum Teil schwierige Entscheidungen, man fordere die Mitarbeiter. „Aber wir schauen auch, dass die Arbeit zu bewältigen ist.“ Und: „Spitzenmedizin und wirtschaftlicher Erfolg sind kein Widerspruch.“

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Die Kennzahlen der privaten Krankenhausträger
Die Kennzahlen der privaten Krankenhausträger
Tabelle
Die Kennzahlen der privaten Krankenhausträger

Der Fresenius-Konzern, Weltmarktführer bei Dialyse-Geräten, ist vor allem mit Medizinprodukten groß geworden. Der Jahresumsatz, zuletzt 20,5 Milliarden Euro, stammt auch in Zukunft nur zu einem kleineren Teil aus den Krankenhäusern. Im ersten Halbjahr 2014 sprang der Umsatz von Fresenius Helios, also der Kliniksparte, durch die neu hinzugekommenen Krankenhäuser um 49 Prozent auf 2,52 Milliarden Euro, die Mitarbeiterzahl von 42 900 auf 68 700. Der Konzernchef hat noch viel zu tun, um sein sehr hohes Renditeziel, gemessen am Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) in Relation zum Umsatz, zu erreichen: Die EBIT-Marge aller Helios-Kliniken erreichte 9,9 Prozent. Die ehemaligen Rhön-Kliniken trugen zum Gewinn bei, lagen aber mit 8,2 Prozent Rendite hinter den anderen Helios-Häusern zurück. Drei bis fünf Prozent organische Umsatzsteigerung der Kliniken ohne den Akquisitionseffekt erwartet Helios für das ganze Jahr 2014.

Schneider trat im „Spiegel“ Behauptungen entgegen, er plane einen integrierten Gesundheitskonzern. Medizinische Versorgungszentren betreibe man nur dort, wo man Krankenhäuser habe und die ambulante Versorgung nicht sichergestellt sei. Die neue Größe der Gruppe ermögliche eine bessere Verzahnung von ambulanter, stationärer Akut- und Rehabilitationsversorgung, hatte Francesco De Meo, Vorsitzender der Geschäftsführung der Helios Kliniken GmbH, schon im Februar angekündigt. Auch De Meo machte deutlich, dass keine revolutionären Änderungen zu erwarten seien.

Martin Siebert, Rhön Klinikum AG
Martin Siebert, Rhön Klinikum AG

Zu notieren bleibt noch, dass Fresenius Ende Juni seine Fünf-Prozent-Beteiligung an der Rhön Klinikum AG mit 34 Millionen Euro Gewinn verkauft hat. Der Erwerb dieser Aktien hatte 2012 die Übernahmeschlacht um Rhön eingeleitet. Das wirft die Frage auf, was nun aus der arg geschrumpften Rhön-Gruppe wird. Vorstandsvorsitzender Dr. med. Dr. jur. Martin Siebert sieht sich nicht als Resteverwalter, obwohl Rhön zwei Drittel seines Umsatzes verkauft hat. 2013 resultierten aus 2,65 Millionen Patientenbehandlungen ein Umsatz von 3,01 Milliarden Euro (plus fünf Prozent) und 90 Millionen Euro Konzerngewinn. 2015, im ersten vollständigen Geschäftsjahr nach dem Verkauf, sollen die verbliebenen zehn Kliniken mit 5 300 Betten an fünf Standorten in Gießen, Marburg, Bad Neustadt, Bad Berka und Frankfurt/Oder gut eine Milliarde Euro Umsatz erzielen. „Die neue Rhön-Klinikum AG ist nicht die ‚Reste-Rhön‘. Vielmehr wandelt sich ein heterogener Klinikkonzern in einem selbstbestimmten, strukturierten Prozess in einen integrierten Gesundheitskonzern“, stellte Siebert Mitte Juni auf der Haupt­ver­samm­lung in Frankfurt am Main heraus. Die verbliebenen hoch spezialisierten Kliniken, gekennzeichnet durch eine enge Verzahnung der Krankenversorgung mit Forschung und Lehre, richteten sich ganz auf Innovation und Behandlungsexzellenz aus. Ein neu eingerichteter „Medical Board“, besetzt mit herausragenden Ärzten des Konzerns, sei für die Ausgestaltung der medizinischen Strategie in den Kliniken zuständig. In Bad Neustadt will Rhön 150 Millionen Euro in den Umbau alter Gebäude und den Bau eines modernen Klinikums investieren. Für das Universitätsklinikum Gießen und Marburg, das nach einem Verlust im Vorjahr 2013 einen kleinen Gewinn von zwei Millionen Euro erzielte, sieht der Vorstand Anzeichen für ein Abflauen der „agitatorischen Fundamentalkritik an der Privatisierung.“ Sogar für das Partikeltherapiezentrum 2015 steht nach Sieberts Darstellung aufgrund der Kooperation mit dem Uniklinikum Heidelberg die Ampel auf Grün. 2015 sollen die ersten Patienten behandelt werden.

Rhön denkt schon wieder an Akquisitionen

Auch an der Idee von Firmengründer Eugen Münch, eine Netzwerkmedizin zu etablieren, will der Vorstand weiter arbeiten. Erster Schritt ist eine vom Arbeitgeber bezahlte Zusatzversicherung, die man gemeinsam mit Fresenius Helios und den Asklepios-Kliniken anbietet. Rhöns Zukunft dürfte aber entscheidend bestimmt werden von den Großaktionären Ludwig Georg Braun, Gründer des Medizintechnikunternehmens B. Braun Melsungen (18 Prozent der Aktien) und Münch (12,5 Prozent). Die Haupt­ver­samm­lung gab darüber noch keinen Aufschluss, welche Pläne sie hegen. Braun, lange Zeit Widersacher Münchs, hatte mit allen Mitteln gegen eine Übernahme Rhöns durch Fresenius gekämpft. Nun soll der Streit vergeben und vergessen sein. Braun wurde in den Aufsichtsrat gewählt. Die Rhön-Aktionäre sollen an dem Erlös aus dem Klinikverkauf teilhaben. 1,7 Millionen Euro werden im Wege eines Aktienrückkaufs den Anteilseignern zufließen. Mit 800 Millionen Euro tilgt Rhön Schulden, 200 Millionen Euro sind für Investitionen reserviert. Dabei denkt man durchaus auch wieder an Zukäufe.

Bernard gr. Broermann, Asklepios Kliniken GmbH
Bernard gr. Broermann, Asklepios Kliniken GmbH

Zu den Aktionären von Rhön gehört auch Asklepios – seit dem Coup von 2012, als Asklepios-Gründer und Alleingesellschafter Dr. Bernard gr. Broermann im letzten Moment fünf Prozent des Konkurrenten erwarb und so die komplette Übernahme durch Fresenius vereitelte. Inzwischen hat auch Broermann seinen Frieden mit Rhön und Helios gemacht. Asklepios rückt nun zur Nummer zwei unter den privaten Trägern auf. „Die Zukunft von Asklepios als eigenständiger, erfolgreicher und sozial verantwortlicher Krankenhausbetreiber ist gesichert“, erklärt Broermann im Geschäftsbericht 2013. Der größte deutsche Krankenhausträger in Familienbesitz steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr um drei Prozent auf 2,899 Milliarden Euro und den Jahresüberschuss um sieben Prozent auf 121 Millionen Euro. 85 Prozent des Umsatzes stammt von Akutkliniken. Den Rest steuern Rehakliniken bei. Für Asklepios steht das Jahr 2014 im Zeichen des organischen Wachstums, zwei bis vier Prozent sind das Ziel. Im ersten Quartal 2014 wurde der obere Rand dieser Spanne erreicht. Dabei nahm die Zahl der Patienten in der ambulanten Versorgung stärker zu als in den Krankenhäusern.

Michael Philippi, Sana Kliniken AG
Michael Philippi, Sana Kliniken AG

Sana wächst und saniert seine Zukäufe

Letzteres berichtet für 2013 auch der drittgrößte private Krankenhausträger: Die Sana Kliniken AG, Ismaning, die 30 privaten Krankenversicherern gehört, ist im vergangenen Jahr am schnellsten gewachsen, und zwar um gut zehn Prozent auf 2,01 Milliarden Euro Umsatz. Der Konzernüberschuss stieg um 8,8 auf 57 Millionen Euro. Der größte Teil des Umsatzanstiegs geht auf zwei Akquisitionen zurück: Die Sana Kliniken Landkreis Biberach mit drei Standorten gehören seit Anfang 2013 zur Gruppe. Die Übernahme von 90 Prozent der Anteile am Klinikum Offenbach, einem Krankenhaus der Maximalversorgung, im August 2013 stellt den größten Zukauf in der Unternehmensgeschichte dar. Bei beiden Häusern muss der neue Eigentümer sanieren. Das früher städtische Klinikum Offenbach hat 2013 bei 163 Millionen Umsatz fast 25 Millionen Euro Verlust gemacht. Nicht nur in Offenbach sieht Sana-Vorstandsvorsitzender Dr. Michael Philippi die Herausforderung darin, „die Balance von Patientenvertrauen, Mitarbeiterzufriedenheit und Wirtschaftlichkeit jeden Tag herzustellen.“

Heinz Stüwe

Die Kennzahlen der privaten Krankenhausträger
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