ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2014Darmkrebs: Nicht im Interesse der Patienten
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Eine hohe Rate an richtig positiven Testergebnissen und eine möglichst niedrige Rate an falsch positiven Testergebnissen führt zu einer hohen positiven Likelihood-Ratio. Für die präventive Koloskopie gilt LR+=∞, weil falsch positive Ergebnisse (Adenom/Karzinom-Nachweis bei Gesunden) realistisch nicht vorstellbar sind.

Auch bezüglich der Likelihood-Ratio ist damit jeder Stuhltest unterlegen, weil es immer eine Rate an falsch positiven Testergebnissen geben wird.

Bei der Prävention liegt der Fokus des Probanden aber auf dem negativen prädiktiven Wert des Tests. Er ist das Maß für die Sicherheit bei negativem Testergebnis, auch tatsächlich gesund zu sein (Koloskopie 99 Prozent). An zweiter Stelle steht der positive prädiktive Wert, nämlich tatsächlich eine relevante Erkrankung zu haben, wenn das Testergebnis positiv ausfällt (Koloskopie 100 Prozent).

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Beide Ziele sind mit vertretbaren Komplikationsraten zu erreichen (Koloskopie 0,05 bis 0,1 Prozent für ernste Komplikationen). Ein Stuhltest kann lediglich bei den Komplikationsraten besser sein als die Koloskopie.

Damit sind die vorgeschlagenen Qualitätssicherungsmaßnahmen zur Etablierung von Stuhltests mit möglichst hoher LR+ als Ersatz für die präventive Koloskopie in unserem Lande nicht im Interesse der Patienten und der Allgemeinheit, sondern allenfalls im Interesse der Produzenten, Distributeure und Labore, die an den Tests verdienen. Solche Maßnahmen dürfen deshalb keinesfalls durch amtlich aufgezwungene Datenerhebungen zulasten der Solidargemeinschaft umgesetzt werden . . .

Dr. Eberhard Rueß, 71101 Schönaich

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