ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2014Biologika zur Therapie der Rheumatoiden Arthritis: Das Risiko für opportunistische Infekte ist leicht erhöht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Biologika zur Therapie der Rheumatoiden Arthritis: Das Risiko für opportunistische Infekte ist leicht erhöht

Dtsch Arztebl 2014; 111(35-36): A-1471 / B-1267 / C-1206

Heinzl, Susanne

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Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) haben ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen und es kann durch Biologika-Therapie weiter zunehmen. Unklar war bislang, wie sich Biologika im Einzelnen auf das Risiko für opportunistische Infekte mit Pilzen, Viren (v. a. Herpesviren) und Mykobakterien auswirken. Dies wurde in einer großen Metaanalyse untersucht.

Berücksichtigt wurden 70 randomisierte Studien mit insgesamt 32 504 RA-Patienten. Jeweils ein zugelassenes Biologikum wurde mit einer Kontrollsubstanz verglichen und die opportunistischen Infekte erfasst. 21 916 Patienten waren mit einem Biologikum, 10 588 im Kontrollarm behandelt worden. TNF-alpha-Blocker waren in 46 Studien eingesetzt worden, und zwar Infliximab (9 Studien, 3 416 Patienten), Etanercept (13 Studien, 4 869 Patienten), Adalimumab (14 Studien, 5 308 Patienten), Certolizumab (5 Studien, 3 131 Patienten) und Golimumab (5 Studien, 2 357 Patienten). Andere Biologika wurden in 25 Studien verwendet: Anakinra (4 Studien, 2 791 Patienten), Abatacept (8 Studien, 3 609 Patienten), Tocilizumab (8 Studien, 4 733 Patienten) und Rituximab (5 Studien, 2 400 Patienten). Die Kontrollgruppen wurden vorwiegend Methotrexat-basiert behandelt. Die Nachbeobachtungszeit betrug 24 Wochen im Median.

Insgesamt wurden 98 opportunistische Infektionen berichtet, 75 bei Behandlung mit einem Biologikum und 23 in den Kontrollgruppen. Damit hatten die mit Biologika behandelten Patienten ein erhöhtes Risiko, an einer opportunistischen Infektion zu erkranken (Odds-Ratio (OR): 1,79; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 1,17–2,74). Dies entspricht 1,7 zusätzlichen opportunistischen Infekten pro 1 000 behandelten Patienten (Number needed to harm: 582). Biologika erhöhten das Risiko für Infekte mit Mykobakterien (OR: 3,73; 95-%-KI: 1,72–8,13) und für alle viralen Infekte signifikant (OR: 1,91, 95-%-KI: 1,02–3,58). Keine signifikanten Unterschiede ergaben sich für alle Pilze, für P.-jirovecii-Pneumonie und Varizella zoster. Die Infektsterblichkeit unterschied sich zwischen den beiden Gruppen ebenfalls nicht.

Die Ergebnisse bestätigen die klinische Erfahrung vor allem bei langjährigen Erkrankungen, kommentiert Prof. Dr. med. Hans-Peter Tony, Leiter des Schwerpunkts Rheumatologie am Universitätsklinikum Würzburg. Dass das höchste Risiko und die stärkste Evidenz für die Tuberkulose gefunden wurde, unterstreiche die Bedeutung des Tbc-Screenings vor Einleitung einer Therapie mit Biologika. „Tbc-Screening und eventuell eine Tbc-Prophylaxe sind effektiv.“ Dennoch bleibe vor allem die Tbc-Reaktivierung ein klinisch relevantes Thema. „In Zukunft wird auch mehr über eine Prophylaxe der erhöhten Rate an Zosterreaktivierungen zu sprechen sein, wenn der Effekt von Zostervakzinen unter Immunsuppression besser untersucht ist.“

Fazit: Die Therapie von RA-Patienten mit Biologika ist mit signifikant erhöhtem Risiko für opportunistische Infekte assoziiert, vor allem Tuberkulose und virale Infektionen. Die Sterblichkeit nimmt aber nicht zu. Weil dies insgesamt sehr seltene Komplikationen sind, lassen sich Daten zu Unterschieden zwischen verschiedenen opportunistischen Erregern und einzelnen Biologika nur aus großen Registern erheben.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Kourbeti IS, et al.: Biologic Therapies in Rheumatoid Arthritis and the Risk of Opportunistic Infections: A Meta-analysis. CID 2014; 58: 1649–57.

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