ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2014Honorarverhandlungen 2015: Schnellere Einigung als erwartet

POLITIK

Honorarverhandlungen 2015: Schnellere Einigung als erwartet

PP 13, Ausgabe September 2014, Seite 391

Rieser, Sabine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Um rund 850 Millionen Euro wird das Honorar der Vertragsärzte und -psychotherapeuten im nächsten Jahr steigen. In diesem Jahr einigten sich die Verhandlungspartner rasch, der Erweiterte Bewertungsausschuss wurde nicht einberufen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband haben sich überraschend schnell auf den Honorarzuwachs für das Jahr 2015 geeinigt. Um rund 850 Millionen Euro wird die Vergütung der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten im kommenden Jahr mindestens steigen. Etwa 460 Millionen Euro sind für die Erhöhung des Orientierungswerts um 1,4 Prozent vorgesehen, der Preiskomponente des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs. Er steigt damit auf 10,27 Cent

Mehr Geld für die Arbeit von Verah und Co.

Anzeige

Dr. med. Andreas Gassen, der KBV-Vorstandsvorsitzende, erklärte zum Ergebnis: „Wichtig ist für uns vor allem die Förderung der hausärztlichen und fachärztlichen Grundversorgung außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung, was den Einstieg in feste Preise darstellt.“ Die Einigung sieht neben der Erhöhung des Orientierungswerts vor, die allgemeinen fachärztlichen Leistungen zu fördern. So sind 132 Millionen Euro für die Erhöhung der Pauschalen für die fachärztliche Grundversorgung vorgesehen.

Weitere 132 Millionen Euro sollen insbesondere für die Finanzierung von Leistungen in Hausarztpraxen ausgegeben werden, die qualifizierte nichtärztliche Praxisassistentinnen erbringen, vor allem Hausbesuche. KBV-Vorstand Dipl.-Med. Regina Feldmann sagte im
Interview, für Hausärzte sei besonders wichtig, dass damit der Einstieg in eine flächendeckende Strukturförderung gelungen sei. Man habe vereinbart, dass es beim Einsatz von Praxisassistentinnen sowohl Zuschläge auf die hausärztliche Grundversorgung gebe als auch für deren Hausbesuche. Feldmann unterstrich, dass Zuschläge allen Hausarztpraxen zugutekommen könnten, die qualifizierte Mitarbeiterinnen beschäftigten, also auch großen Praxen in Städten wie Berlin oder Hamburg, nicht allein Versorgerpraxen auf dem Land. Man wolle diese Strukturförderung ausbauen, so die Vereinbarung für das nächste Jahr.

Die beiden Vorstände verteidigten zudem das Verhandlungsergebnis. Er sei erstaunt, „welche extreme Wahrnehmung der diesjährige Honorarabschluss hat“, sagte Gassen. Dass sich KBV und GKV-Spitzenverband einigen konnten und nicht der Erweiterte Bewertungsausschuss einberufen wurde, würdigte der KBV-Vorstandsvorsitzende ausdrücklich: „Ich glaube, das ist ein hoher Wert. Es ist doch die Frage, ob man auf Dauer ritualisierte Verhandlungen ablaufen lassen will, die nur dazu führen, dass man den Verhandlungspartner desavouiert, ohne dass dies nennenswert Einfluss auf das Ergebnis hätte.“

Kalkulatorischer Arztlohn: Anpassung wird 2015 Thema

Wichtig sei, dass Wirtschaftlichkeitsreserven keinen Eingang in die Honorarfindung genommen hätten, ergänzte er. Entsprechende Forderungen hatten die Krankenkassen mit einem – umstrittenen – Gutachten im Vorfeld der Verhandlungen zu untermauern versucht. KBV und GKV-Spitzenverband haben sich im Rahmen einer Protokollnotiz auch darauf verständigt, zum 1. Januar 2016 eine Anpassung des kalkulatorischen Arztlohns zu prüfen. Der KBV-Vorstand nimmt zudem eine grundsätzliche Bereitschaft beim GKV-Spitzenverband wahr, für die Versorgung der Versicherten auch Geld auszugeben.

Vor Beginn der Verhandlungen hatte die KBV auf Finanzierungslücken von rund fünf Milliarden Euro hingewiesen: Nach ihren Berechnungen werden zehn Prozent aller ambulanten Behandlungen zulasten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) nicht honoriert (2,3 Milliarden Euro). Rund drei Milliarden Euro mehr seien notwendig, um den kalkulatorischen Arztlohn anzupassen, hieß es. Diese Unterfinanzierung gebe es immer noch, bekräftigte Gassen nun. Er habe aber auch darauf hingewiesen, dass sie nicht auf einmal zu beseitigen sei.

Sabine Rieser

Unzureichendes Ergebnis

Für die Psychotherapeuten sei das Ergebnis der Honorarverhandlungen mit einer Steigerung von 1,4 Prozent „völlig unzureichend“ ausgefallen und kein Schritt in Richtung Honorargerechtigkeit, kritisiert die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung. Die Honorarberichte der KBV geben regelmäßig bekannt, dass Psychotherapeuten bei vergleichbarer Arbeitszeit nur die Hälfte dessen verdienen, was somatisch tätige Ärzte bekommen.

Die bestehende Systematik der alljährlichen Erhöhung des Orientierungspunktwertes – diesmal auf 10,27 Cent – begünstige „immer diejenigen, die in großen, meist technikorientierten Praxen viele Leistungen erbringen“, kritisiert auch der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten e.V. Psychotherapeuten, Psychiater und Psychosomatiker hingegen, die Zeit und Ruhe mit den Patienten aufbringen müssen und viel geringere Fallzahlen haben, würden von dieser Systematik benachteiligt.

Auch von der Erhöhung der Pauschalen für die fachärztliche Grundversorgung um weitere 0,8 Prozent profitieren Psychotherapeuten unterdurchschnittlich, weil diese Pauschalen ebenfalls mit den Fallzahlen multipliziert werden, kritisieren die Verbände. PB

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema