ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2014Türkische Migranten: Risikogruppe für Depressivität

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Türkische Migranten: Risikogruppe für Depressivität

PP 13, Ausgabe September 2014, Seite 408

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Die meisten Migranten in Deutschland stammen aus der Türkei. Allerdings wurde die körperliche und psychische Gesundheit dieser Migrantengruppe bisher nur unzureichend untersucht. Psychotherapeuten und Ärzte aus Erlangen und Essen um Prof. Dr. Yesim Erim vom Universitätsklinikum Erlangen haben jetzt Symptome aus dem psychischen und somatoformen Bereich an deutschen und türkischen Patienten erhoben, um die Krankheitsbelastung vergleichen zu können. An der Studie nahmen 254 türkische und 164 deutsche Patienten einer Allgemeinarztpraxis teil. Erim und Kollegen kamen zum Ergebnis, dass türkische Patienten im Vergleich mit deutschen eine höhere Ausprägung der depressiven und der somatoformen Symptomatik aufweisen. Zudem gab es in dieser Hinsicht weitere Unterschiede: Während die am stärksten ausgeprägten depressiven Symptome bei den türkischen Patienten Ermüdbarkeit und Reizbarkeit waren, litten die deutschen Patienten hauptsächlich unter Schlafstörungen und Ermüdbarkeit. Die häufigsten somatoformen Symptome der türkischen Patienten waren Schmerzen in Rücken, Armen und Beinen. Bei den deutschen Patienten dominierten hingegen Rücken- und Gelenkschmerzen. Die Ergebnisse legen nahe, dass türkische Patienten eine höhere Krankheitsbelastung im Hinblick auf depressive und somatoforme Erkrankungen aufweisen als deutsche. Dies könnte auf kulturspezifische Besonderheiten zurückgeführt werden, es könnte aber auch andere Gründe haben, die noch zu untersuchen sind. „Türkische Patienten stellen eine Risikogruppe dar“, sagen die Autoren. Sie halten es daher für unabdingbar, dass migrations-, kultur- und genderspezifische Faktoren und Belastungen in der Versorgung türkischer Patienten berücksichtigt werden. ms

Sariaslan S, Morawa E, Erim Y: Psychische Symptombelastung bei Patienten einer Allgemeinarztpraxis. Nervenarzt 2014; 85(5): 589–95.

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