ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2014Mütter und Kinder: Feingefühl als Erziehungsziel

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Mütter und Kinder: Feingefühl als Erziehungsziel

PP 13, Ausgabe September 2014, Seite 422

Moser, Tilmann

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Wer Brisch einmal arbeiten gesehen hat, dem weht auch bei der Lektüre seines neuen Buches der warmherzige und einfühlsame Ton seiner Stimme an, mit dem er die Stürme der Verstrickung mildern und besänftigen kann. Denn die Gefahren der Entgleisung des frühen Dialogs sind riesig, besonders, wenn die Mutter durch ihre eigene Kindheitsvergangenheit nicht nur verunsichert, sondern sogar traumatisiert ist. Sie ist in Gefahr, die Signale des Kindes misszuverstehen oder gar in der Verzweiflung ärgerlich oder aggressiv zu werden. Wenn sie in München am Ort von Brischs Ambulanz wohnt, dann findet sie in ihrer Ratlosigkeit oder Verzweiflung und bei ihm oder seinem Team bald einen Nottermin.

Brisch schreibt aus jahrzehntelanger Erfahrung in der Bindungsforschung, er ist ein Pionier dieser jungen Disziplin und ist für den Dialog zwischen Mutter und Kind in einem Maß „feinfühlig“ geworden , dass er noch die feinsten lautlichen und körperlichen Signale auf beiden Seiten erkennt und sie aufgreifen kann. Feinfühlig ist auch sein Zauberwort, das ein wenig zu häufig im Text vorkommt, aber es ist sein Erziehungsziel für die Mütter, die ohne seelische Gelassenheit in Schwangerschaft und frühe Mutterschaft starten mussten. Seine Ziele, die er auch in Lehrfilmen dargestellt hat, sind hoch gespannt: „Es ist unbedingt notwendig und die Pflicht der Eltern, dieses Weinen zu verstehen und angemessen und prompt darauf zu reagieren, damit das Baby sich versorgt und sicher fühlen kann.“

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Die zahlreichen und eindringlichen Fallbeispiele decken die ganze Breite möglicher Störungen ab und bilden dadurch ein anschauliches Lehrbuch etwa für Mütter, Väter, Hebammen, Kinder- und Familientherapeuten sowie Kindergärtnerinnen, die an seinem Reichtum der Erfahrung gewinnen können. Sein Buch ist nicht nur für tiefenpsychologisch orientierte Leser lohnend, sondern für Besorgte aller Lebenssparten und Theorierichtungen. Es gibt inzwischen von Brisch ähnliche Ratgeber für viele weitere Reifungsphasen von Kindern und Jugendlichen, zusammen mit erschwinglichen Filmen über seine Arbeit, die dadurch erfrischend anschaulich wird. Tilmann Moser

Karl Heinz Brisch: Säuglings- und Kleinkindalter. Klett-Cotta, Stuttgart 2014, 227 Seiten, gebunden, 23,95 Euro

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