ArchivDeutsches Ärzteblatt11/1999Neue Studien: Metamizol gehört zu den sichersten Analgetika

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Neue Studien: Metamizol gehört zu den sichersten Analgetika

Dtsch Arztebl 1999; 96(11): A-710 / B-578 / C-544

Bäumler, Ernst

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LNSLNS Die heftigen Diskussionen über die Nebenwirkungen des Analgetikums Metamizol (Novalgin®), vor allem Agranulozytose und Anaphylaxie, hatten zumindest einen positiven Effekt: sie induzierten zahlreiche Studien. Diese zeigten, daß Metamizol zu den sichersten Wirkstoffen in der Gruppe der nichtopioidalen Schmerzmittel gehört. Der Epidemiologe Dr. Carlos Martinez (Hoechst Marion Roussel AG, Bridgewater, NJ, USA) hat alle Studien ausgewertet. Martinez überprüfte nicht nur das Risiko der Nebenwirkungen von Metamizol, sondern auch jenes der am häufigsten gebrauchten anderen Wirkstoffe, wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol, Ibuprofen und Diclofenac. Dabei zeigte sich, daß alle Präparate nur in sehr seltenen Fällen - bei einer Million Anwendungen - Nebenwirkungen aufweisen. Diese sind bei den einzelnen Präparaten unterschiedlich. Am relativ häufigsten kommt es bei ASS, Ibuprofen und Diclofenac zu Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Solche Störungen sind bei Metamizol unbekannt. Dagegen ist die Agranulozytose bei Metamizol am relativ häufigsten, obwohl schwere Fälle, vor allem solche mit tödlichem Ausgang, extrem selten sind. Nach epidemiologischen Untersuchungen bei kurzfristig behandelten Patienten (Behandlungsdauer eine Woche) treten Todesfälle unter Metamizol statistisch bei 0,2 Fällen pro eine Million Patienten auf (Paracetamol 0,2, ASS 1,7 und Diclofenac 5,9). Magen-Darm-Blutungen haben den größten Anteil an arzneibedingten Sterbefällen. Martinez empfiehlt deshalb, bei nicht rheumatisch bedingten Schmerzen andere Schmerzmittel vorzuziehen. Das Gesamt-Zusatzrisiko pro eine Million Kurzzeitbehandelter pro Woche ist für die Altersgruppe über 60 Jahre deutlich erhöht. Dies gelte besonders für ASS, Diclofenac und Ibuprofen. Im Vergleich dazu haben Paracetamol und Metamizol ein geringeres Risiko. Auf Grund der nun widerlegten Vorwürfe gegen Metamizol mußte das Präparat, das bereits seit 1922 auf dem Markt ist, in Schweden 1974 vom Markt genommen werden. Angesichts der zahlreichen neuen Studien ist Metamizol dort 1995 wieder zugelassen worden. Die Befreiung von der Rezeptpflicht, die in Deutschland für Novalgin® 1987 angeordnet wurde, wird von Hoechst Marion Roussel nicht angestrebt. Dr. Ernst Bäumler
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