ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2014Randnotiz: Strenge Worte an die Leser

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Randnotiz: Strenge Worte an die Leser

Dtsch Arztebl 2014; 111(37): A-1489 / B-1285 / C-1221

Gerst, Thomas

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Da musste der Schriftleiter des Ärztlichen Vereinsblattes, aus dem 1930 das Deutsche Ärzteblatt hervorging, zu Jahresbeginn 1894 doch einmal streng zu den Lesern werden. Es ging um die Frage, was denn unabdingbar zu den Inhalten des nun zwei- statt einmal monatlich erscheinenden Organs des Ärztevereinsbundes gehören sollte. Ja sicher, den Folgen der sozialpolitischen Gesetzgebung, die sich immer mehr im ärztlichen Alltag bemerkbar machten, müsse mehr Raum zugebilligt werden. Mit wissenschaftlichen Übersichtsartikeln wolle man sich zurückhalten; denn trotz häufigerem Erscheinen sei der Umfang des Blattes noch recht beschränkt. Verstärkt sollten Beiträge aus dem Kollegenkreis eingeworben werden, um „dem Leser Mannigfaltigeres aus dem großen Gebiete, das unserem Berufe angehört, vorzuführen“.

Aber – so führte der Schriftleiter aus – ein Großteil der Berichterstattung werde sich auch künftig den eigentlichen Standesangelegenheiten widmen. Also: Informationen aus den ärztlichen Vereinen und über die Tätigkeit der „staatlich organisierten Vertretungen des Standes, der Kammern, Ausschüsse, Medicinalcollegien oder wie sie sonst heißen“. Denjenigen Lesern, die hier verächtlich schnaubend das Ärzteblatt zur Seite legen wollen, empfehle ich, kurz innezuhalten und noch die mahnenden Worte des Schriftleiters zur Kenntnis zu nehmen: „Wen die Berichte über diese Dinge langweilen, dem sind wir nicht zu Diensten, dem fehlt ein Teil der Eigenschaften, die man vom Arzt verlangen muss.“ Gar so krass würde die Redaktion das heute nicht formulieren, doch für das Privileg eines selbstverwalteten Berufsstandes sollte man zu manchem „Opfer“ bereit sein.

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