ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2014Kolorektalkarzinom mit Resezierbaren Lebermetastasen: Neoadjuvante EGFR-Antikörpertherapie ohne Vorteil

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kolorektalkarzinom mit Resezierbaren Lebermetastasen: Neoadjuvante EGFR-Antikörpertherapie ohne Vorteil

Dtsch Arztebl 2014; 111(37): A-1517 / B-1309 / C-1244

Gulden, Josef

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Patienten mit fortgeschrittenem kolorektalem Karzinom (CRC), bei denen die Metastasierung sich ausschließlich auf die Leber beschränkt, haben eine 5-Jahres-Überlebenschance von etwa 40 %, wenn die Leberfiliae komplett resezierbar sind. Eine zusätzliche Chemotherapie verlängert das progressionsfreie Überleben, und weil in der metastasierten Situation bei Tumoren mit KRAS-Wildtyp die Chemoimmuntherapie mit dem EGFR-Antikörper Cetuximab das Überleben verbessert, testeten britische Kollegen in der New EPOC-Studie, ob der Antikörper auch bei resezierbaren Lebermetastasen Vorteile bringt.

Progressionsfreies Überleben mit und ohne Cetuximab
Progressionsfreies Überleben mit und ohne Cetuximab
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Progressionsfreies Überleben mit und ohne Cetuximab

Patienten mit auf die Leber beschränkten resezierbaren oder suboptimal resezierbaren Metastasen eines CRC erhielten vor und nach der Operation eine Chemotherapie entweder alleine (n = 128) oder kombiniert mit Cetuximab (n = 29). Die Chemotherapie bestand aus Oxaliplatin und entweder einer Fluorouracil-Infusion oder Capecitabin; Patienten, die bereits adjuvantes Oxaliplatin erhalten hatten, erhielten stattdessen Irinotecan. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben, und das fiel nach median 20,7 Monaten Nachbeobachtungszeit mit median 14,1 vs. 20,5 Monaten überraschenderweise zuungunsten von Cetuximab aus (Hazard Ratio: 1,48; 95-%-
Konfidenzintervall: 1,04–2,12; p = 0,03). Beim Gesamtüberleben war die Kontrollgruppe ebenfalls überlegen, wenngleich nicht signifikant (HR: 1,49; p = 0,16).

Grad-3/4-Toxizitäten waren insgesamt relativ selten, drei Todesfälle in der Cetuximab- (interstitielle Lungenerkrankung und Lungenembolie, Bronchopneumonie und Lungenembolie) und einer in der Kontrollgruppe (Herzinsuffizienz) waren möglicherweise durch die Therapie bedingt.

Fazit: Die Zugabe von Cetuximab zur Chemotherapie beim Kolorektalkarzinom (Typisierung: KRAS-Wildtyp) mit resezierbaren Lebermetastasen eines CRC ist derzeit außerhalb klinischer Studien nicht zu empfehlen. Dies legt das unerwartet schlechte Abschneiden von Cetuximab in der New EPOC-Studie nahe, das sich vermutlich auch bei längerer Nachbeobachtung nicht ändern wird. Nun müssen molekularbiologische Analysen die Ursachen klären. Josef Gulden

Primrose J, et al.: Systemic chemotherapy with or without cetuximab in patients with resectable colorectal liver metastasis:
the New EPOC randomised controlled trial. Lancet Oncol 2014; 15: 601–11. MEDLINE

Progressionsfreies Überleben mit und ohne Cetuximab
Progressionsfreies Überleben mit und ohne Cetuximab
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Progressionsfreies Überleben mit und ohne Cetuximab

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