ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2014Selbstzahlerleistungen: IGeL-Enzyklopädie und Infoportal aus Ärztesicht

MEDIEN

Selbstzahlerleistungen: IGeL-Enzyklopädie und Infoportal aus Ärztesicht

Dtsch Arztebl 2014; 111(37): A-1524 / B-1314 / C-1248

Krüger-Brand, Heike

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Selbstzahlerleistungen oder individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind in der Öffentlichkeit umstritten. Unter IGeL fallen einerseits Leistungen, die per Gesetz nicht zu den Aufgaben der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung gehören, wie Atteste und Reiseimpfungen. Andererseits und zum weitaus größeren Teil umfassen sie medizinische Maßnahmen zur Vorsorge, Früherkennung und Therapie von Krankheiten, deren Nutzen in aussagekräftigen Studien nicht ausreichend belegt ist.

Als Antwort auf den vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen getragenen IGeL-Monitor (www.igel-monitor.de), in dem Krankenkassen seit einigen Jahren über IGeL-Angebote informieren und einzelne Leistungen nach einem Bewertungsraster kritisch unter die Lupe nehmen, hat eine Ärzte-Initiative jetzt ein eigenes Informationsportal gestartet. Die Webseite www.free-med.net der in Berlin ansässigen Ärztlichen Gesellschaft für Gesundheit und Prävention e.V. (ÄGGP) soll Patienten „ausführlich, transparent und sachlich“ über Leistungen außerhalb des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen informieren, heißt es dazu vonseiten der Initiative. Neu sei, dass diese Informationen – im Gegensatz zum IGeL-Monitor der Krankenkassen – von Ärzten stammten, die diese Leistungen tatsächlich anböten. IGeL werden zudem nicht mehr „individuelle“, sondern „freie Gesundheitsleistungen“ (FGL) genannt und sollen nach einer Zertifizierung durch Experten online gestellt werden.

Basis des Infoportals ist eine Online-Enzyklopädie nach dem Muster von Wikipedia (Wiki-medi-Liste), in der die „freien Gesundheitsleistungen“ von registrierten Ärzten gelistet und beschrieben werden. Die Informationen umfassen jeweils Indikation, Wirkung, Nutzen und Risiken, Alternativen und Preise auf Basis der Gebührenordnung der Ärzte. Verschiedene Regelwerke sollen dabei eine Zertifizierung und Überprüfung durch ärztliche Berufsverbände und deren Fachgesellschaften ermöglichen. Die teilnehmenden Ärzte verpflichten sich zudem auf einen Verhaltenskodex der ÄGGP.

Anzeige

Zwar sind etwa 420 FGL in der Datenbank gelistet (www.wiki-medi.de). Allerdings sind bislang nur einige wenige Einträge abschließend bearbeitet – sichtbar an der den Bearbeitungszustand visualisierenden Ampelanzeige. Daher gestaltet sich die Suche im Infoportal für die Patienten derzeit noch unergiebig. Auch werden noch keine Anbieter zu den FGL genannt. Bleibt abzuwarten, ob sich ausreichend Ärzte an dem ambitionierten Projekt beteiligen werden und ob der Kodex ausreicht, die Qualität und Objektivität der Informationen zu gewährleisten. KBr

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema