ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2014Börsebius: Auf den letzten Drücker

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Börsebius: Auf den letzten Drücker

Dtsch Arztebl 2014; 111(37): A-1532 / B-1320 / C-1252

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Nun ist es so weit: Zalando, das Online-Schuhgeschäft, geht an die Börse. Anfang Oktober soll der Sprung auf das Frankfurter Parkett gelingen. Platziert werden rund zehn Prozent aller Anteile mit einem Volumen von etwas mehr als 500 Millionen Euro. Schnelle Rechner kommen somit auf eine Bewertung von fünf Milliarden Euro für Zalando. Eine wirklich stolze Summe für einen Modehändler, der bislang mehr durch klotzige Werbekampagnen als durch ein wirklich erfolgreiches Geschäftsmodell von sich reden machte.

Daher beeilte sich das Management in den letzten Tagen zu versichern, das Unternehmen sei jetzt tatsächlich profitabel und belegte diese kühne Aussage mit der jüngsten Halbjahresbilanz. Dort steht auch tatsächlich ein „EBIT“ von 12,4 Millionen Euro bei einem Umsatz von 1,047 Milliarden Euro. Das ist per se mickrig. Was mich aber besonders ärgert: Selbst seriöse Zeitungen bliesen in das Horn, Zalando habe jetzt die Gewinnschwelle überschritten. Endlich und Hurra.

Dazu sind zwei Dinge anzumerken. Erstens ist „EBIT“ noch lange kein Gewinn (Earning Before Inter-est and Taxes), sondern lediglich
eine Ertragskennzahl, bevor (!) Zinsen und Steuern gezahlt sind. Zum zweiten hat Zalando, um wenigstens dieses hübsche „EBIT“ zeigen zu können, massiv auf die Kostenbremse gedrückt, also zum Beispiel auf teure Werbekampagnen in den letzten Monaten verzichtet. Die logische Folge der fehlenden Medienpräsenz ist ein drastischer Umsatzrückgang im zweiten Quartal 2014. Ein Debakel eigentlich.

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Wie es aussieht, kommt der Börsengang also auf den letzten Drücker, um Schlimmeres zu verhindern; will heißen, immer mehr Marktteilnehmer erkennen die Löcher im Geschäftsmodell von Zalando.

Ich habe bereits vor einigen Monaten eine Kolumne über Zalando geschrieben („Schrei vor Glück“, Heft 21/2014). Dort habe ich kritisiert, dass der Internethändler bisher jedenfalls jeglichen Beweis einer Profitabilität schuldig geblieben ist. Das ist ja auch kein Wunder, denn die Möglichkeit der (mehrfachen) kostenlosen Rücksendung von Schuhen konterkariert eben genau das Geschäftsmodell. Und das auf Dauer.

Der Zalando-Aktionär kann jedenfalls nicht so einfach mir nichts dir nichts seine Aktien zurückgeben, wenn’s nicht mehr gefällt. Zumindest nicht kostengünstig. Im Zweifel muss er die Ware dann verramschen. Ein Rabatt von 50 Prozent ist allemal drin. Schrei vor Glück war einmal.

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