ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 3/2014Geschlossene Fonds: An die Kette gelegt

Supplement: PRAXiS

Geschlossene Fonds: An die Kette gelegt

Dtsch Arztebl 2014; 111(38): [8]

Fischer, Leo

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Seit dem 21. Juli 2013 dürfen nur noch Kapitalverwaltungsgesellschaften geschlossene Fonds, die nunmehr „geschlossene Investmentvermögen“ oder „geschlossene Alternative-Investment-Fonds“ heißen, auflegen und verwalten.

In Zeiten extrem niedriger Zinsen bieten Sachanlagen, wie Immobilien oder auch Flugzeuge, attraktive Alternativen. Während festverzinsliche Wertpapiere gerade etwas über ein Prozent Rendite abwerfen, sind mit geschlossenen Immobilienfonds oder Flugzeugfonds regelmäßige Ausschüttungen von vier bis fünf Prozent und manchmal 5,5 Prozent zu erzielen. Aber geschlossene Fonds sind nur wenige auf dem Markt. Das liegt vor allem an der vor mehr als einem Jahr eingeführten Regulierung.

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Geschäftsführer muss einen guten Ruf haben

Seit dem 21. Juli 2013 ist das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) in Kraft, das den Markt der geschlossenen Fonds zum ersten Mal gesetzlich geregelt hat. Seither dürfen nur noch Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVG) geschlossene Fonds, die nunmehr „geschlossene Investmentvermögen“ oder „geschlossene Alternative-Investment-Fonds“ (AIF) heißen, auflegen und verwalten. Diese KVG müssen vom Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) genehmigt werden. Eine der Voraussetzungen ist, dass die Geschäftsführer einen untadeligen Ruf haben.

Früher konnten alle, die sich dazu in der Lage sahen, geschlossene Fonds auflegen. Eine weitere wesentliche Neuerung: Eingeführt wurde eine Verwahrstelle (die der Depotbank bei den Investmentfonds entspricht). Diese hat die Aufgabe, zu überwachen, dass die Kapitalverwaltungsgesellschaft die Mittel des geschlossenen Fonds entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen und den Prospektangaben anlegt. Die Verwahrstellen sorgen dafür, dass die Transparenz- und Auskunftspflichten gegenüber Anleger und Aufsicht erfüllt werden. Auch diese Verwahrstellen müssen eine Genehmigung durch die BaFin haben. Alle diese Neuerungen dienen dem Schutz des privaten Anlegers.

Aber die Anpassung fällt wohl allen Beteiligten schwer, und sie benötigt offenbar mehr Zeit als erwartet. Derzeit reichen die Finger zweier Hände, um die neu genehmigten Fonds aufzuzählen. Die Emissionshäuser sind zum Teil verunsichert durch die neuen, schärferen Bedingungen, die Aufsicht hat noch keine Erfahrung, wie die neuen Regeln anzuwenden sind.

Erstaunlich ist, dass neue Fonds für institutionelle Anleger offenbar leichter und schneller die Genehmigung erhalten. Die Folge: Die Emissionshäuser, die sich früher fast ausschließlich an die Privatanleger wandten, konzipieren jetzt verstärkt Produkte für die professionellen Großanleger. Mitunter kommt es vor, dass eigentlich für Privatanleger eingekaufte Objekte in Spezial-AIF gehen, weil diese schneller die Genehmigung erhalten. Auf diese Weise wird die Materialknappheit bei den Publikumsfonds (die nur an Privatanleger verkauft werden) verstärkt. Auf der anderen Seite zeigt dies, dass die Idee des Anlegerschutzes funktioniert. Denn durch das neue Recht soll vor allem der Privatanleger geschützt werden, die institutionellen Anleger haben genug Erfahrung, um sich selbst zu schützen, und sie können auch leichter Verluste verschmerzen.

Anlagen müssen risikogestreut sein

Zum Anlageschutz gehört vor allem die Risikostreuung. Früher durften Privatanleger auch Ein-Objekt-Fonds zeichnen. Fast alle geschlossenen Immobilienfonds waren so konzipiert, dass sie in eine Immobilie oder in ein Flugzeug investierten. Nach dem KAGB sollen sich Privatanleger nur dann mit einem Mindestkapital von 10 000 Euro beteiligen dürfen, wenn die Anlagen risikogestreut sind. Sonst sind höhere Mindestanlagesummen notwendig. Was das bedeutet, zeigt der 71. Renditefonds der Immac. Dieser investiert in drei Pflegeimmobilien an unterschiedlichen Standorten und mit unterschiedlichen Pächtern. Damit ist der Gedanke der Risikostreuung voll und ganz realisiert, und die Anleger können sich mit einer Mindestanlagesumme von 10 000 Euro beteiligen.

Die strengeren Regeln, die dem Privatanleger zugute kommen, kosten auch Geld. Konnten die früheren Pflegeimmobilienfonds der Immac sechs Prozent ausschütten, lautet die Prognose heute 5,5 Prozent, die aber wie üblich bei den Pflegeimmobilienfonds auf zwölf Monate verteilt ausgezahlt werden. Sonst ist die einmalige jährliche Ausschüttung üblich. Es gibt aber auch neue geschlossene Immobilienfonds, die nur 4,5 Prozent Ausschüttung prognostizieren. Das ist immer noch mehr, als heute mit Zinsanlagen zu erzielen ist. Insgesamt müssen sich die Anleger auf einen Rückgang der Ausschüttungen um mindestens 0,5 Prozent einstellen.

Weil es schwerer geworden ist, geschlossene Fonds auf den Markt zu bringen, weichen manche Anbieter auf Nachrangdarlehen und Genussrechte aus, die durch Sachanlagen abgesichert sind. Das ist eigentlich nicht im Sinne der neuen Regeln, aber das KAGB gilt hier nicht. Der Anleger hat bei Nachrangdarlehen und Genussrechten keine Mitspracherechte wie bei geschlossenen Fonds. Der Anleger ist nicht Miteigentümer der Immobilie, sondern hat gegen den Anbieter nur ein Forderungsrecht. Leider gibt es unter diesen Sachanlagealternativen auch unseriöse Angebote, die den verbesserten Anlegerschutz bei den geschlossenen Fonds unterlaufen. Gewiss, das strengere Recht bietet keine Garantie für hohe Renditen, und gegen kriminelle Energie richten auch die verbesserten Gesetze nichts aus. Aber der Anleger hat nach dem neuen Recht eine gute Chance, die in Aussicht gestellte Rendite bei geschlossenen Fonds zu erzielen.

Das Angebot an neuen Produkten, die einen besseren Anlegerschutz bieten, wird aber zunächst begrenzt bleiben. Bis zum Jahresende sollen mindestens 33 neue, nach den Regeln des Kapitalanlagegesetzbuches aufgelegte geschlossene AIF auf den Markt kommen. Dies ergab eine Umfrage des Sachwerteverbandes BSI (früher Verband der geschlossenen Fonds) unter seinen Mitgliedern. Aber nur 24 Fonds richten sich an Privatanleger und neun an semiprofessionelle und professionelle Investoren. Die Produkte für Semiprofessionelle dürfen auch Privatanleger zeichnen, wenn die KVG dem Anleger bescheinigt, dass er die Konsequenzen einzuschätzen vermag. Nur wenn die Privatanleger über genügend Erfahrung verfügen, dürfen sie in Fonds für semiprofessionelle Anleger investieren.

Dr. Leo Fischer

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