ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 3/2014Internet und Handy: Regeln für die private Nutzung

Supplement: PRAXiS

Internet und Handy: Regeln für die private Nutzung

Dtsch Arztebl 2014; 111(38): [27]

Leicher, Rolf

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Foto: Fotolia/jackfrog
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Der Arbeitgeber darf den Handygebrauch im Betrieb einschränken oder auch ganz verbieten. Zu empfehlen ist in jedem Fall eine Regelung etwa im Arbeitsvertrag.

Die ständige Erreichbarkeit ist ein wesentliches Merkmal der digitalen Welt. Für das Personal in der Arztpraxis ist es immer einfacher, privat per E-Mail oder Smartphone zu kommunizieren, schnell mal nebenbei während der Arbeitszeit. Durch Apps ist das Smartphone noch interessanter geworden, „Netzwerken“ und die Nutzung sozialer Medien sind in. Nach Schätzungen ist jede Medizinische Fachangestellte täglich während der Arbeit etwa zehn Minuten mit ihrem Handy beschäftigt. Da kommen im Laufe des Monats schnell einige Stunden zusammen. Daher ist es verständlich, dass Vorgesetzte auf diese Situation reagieren.

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Rechtliche Aspekte

Was sollte der Praxisinhaber zulassen, was verbieten? Eine permanente personenbezogene Überwachung der Internetnutzung etwa ist weder zweckmäßig noch praktisch durchführbar. Eine Kontrolle, welche Kontakte der Nutzer per Handy gerade hatte, ist rechtlich nicht zulässig. Keinesfalls darf der Arzt sein Team heimlich überwachen. Für die Frage der Nutzung des Handys ist die juristische Betrachtungsweise allein jedoch nicht ausreichend.

Wer einen Verdacht gegen einen bestimmten Mitarbeiter hat, sollte diesen darauf ansprechen. Er muss aber mit dem Einwand rechnen, dass andere auch ihr Handy nutzen und in anderen Arztpraxen die Handynutzung großzügig geregelt ist. Zu empfehlen ist daher grundsätzlich eine ergänzende klärende Regelung im Arbeitsvertrag.

So ist es beispielsweise besser, Kaffeepausen zu planen, in denen die Handynutzung möglich ist. Ein absolutes Tabu ist es, vor Patienten privat zu telefonieren, auch wenn es sich um eine wichtige Angelegenheit handelt. Gibt es keine Regelung über die Nutzung von mobilen Telefonaten, wird die Mitarbeiterin davon ausgehen, dass es nicht zu einer Abmahnung kommt. Die Genehmigung nach dem Motto „in angemessenem Umfang erlaubt“, ist unklar. Das Verbot ausgehender Kontakte und die Genehmigung für eingehende Kontakte schaffen eine Differenzierung, die aber schwer kontrollierbar ist. Wie soll man prüfen, ob die Mitarbeiterin mit einem eingehenden Gespräch beschäftigt ist?

Das Mobiltelefon am Arbeitsplatz – kein Thema, meinen Mitarbeitende, man kann doch arbeiten und nebenbei online sein. Der Mix von Arbeit und Mediennutzung (Multitasking) nimmt zu, aber die Fehlerhäufigkeit ebenso. Der innere Zwang, private Nachrichten zu senden oder zu empfangen, lenkt ab und führt zu einer Konzentrationsschwäche. Viele wollen auf eine Nachricht sofort reagieren, und nicht erst in der Mittagspause. Das Handy unterbricht eine Arbeit für Sekunden, aber danach muss man sich wieder in die Tätigkeit hineindenken. Weil das verdrängt wird, ist Aufklärung wichtig. Das Mobiltelefon sollte sich gar nicht unmittelbar am Arbeitsplatz befinden, denn wenn es vibriert, kreisen die Gedanken nur noch um die eingegangene Nachricht.

Kein Multitasking

Das parallele Erledigen von zwei Aufgaben funktioniert zudem nach wissenschaftlichen Untersuchungen nicht, unser Gehirn kann das nicht verarbeiten. In einer Untersuchung der Stanford University schnitten Multitasker in allen Untersuchungen über die Möglichkeiten der Konzentration schlechter ab als eine Vergleichsgruppe. Sie wurden schneller abgelenkt, hatten weniger Kontrolle über ihre Aufmerksamkeit und konnten sich später auch nur noch an wenig erinnern. Wer versucht, alles gleichzeitig zu tun, tut nichts richtig, weil er sich auf nichts voll konzentrieren kann.

Wichtig ist es daher, Spielregeln für die private Nutzung von Internet und Smartphone festzulegen. Wenn etwa in Ausnahmefällen ein Familienmitglied erkrankt ist, kann der Betreffende nach Rücksprache mit dem Vorgesetzten auch während der Arbeit sich zu Hause telefonisch oder per Mail nach dem Wohlbefinden erkundigen.

Aus Sicherheitsgründen sollten Mitarbeiter privates Surfen im Internet am Computer in der Arztpraxis vermeiden. Schnell kann man sich über eine infizierte Seite einen Virus oder andere Schadsoftware auf den Rechner holen.

Im Arbeitsrecht gibt es den Begriff „Duldung“. Es kann geduldet werden, wenn jemand eben mal privat surft oder telefoniert. Bei Duldung weiß der Vorgesetzte, dass eine Mitarbeiterin private Mails checkt oder telefoniert, und er unternimmt nichts dagegen.

Die Regelung der Handynutzung muss für alle gelten, denn Gleichbehandlung sollte gewährleistet sein. Durch Vernachlässigung des Gleichbehandlungsprinzips würde sich das Betriebsklima verschlechtern. Eine Mitarbeiterin kann darüber hinaus nicht beim ersten Verstoß entlassen werden, auch wenn sie eine Erklärung unterschrieben hat, die ihr digitale Privatkontakte untersagen. Es kommt eben auf die „Verhältnismäßigkeit“ an, etwa auf Dauer und Häufigkeit der Privatgespräche. Rolf Leicher

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