ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2014Psychotherapie: Befremdlich
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Aus Perspektive eines PP mutet der Lobgesang auf die ärztliche Psychotherapie sehr befremdlich an. Das breitgestufte ärztliche Angebot, das hier postuliert wird, wirft Fragen auf. Warum irren Patienten oft mehrere Jahre im Medizinsystem umher, bis endlich eine Angststörung diagnostiziert wird? Behauptet wird, die ärztlichen Psychotherapeuten seien im Hinblick auf Differenzialdiagnostik und leitliniengerechte Behandlung im Vorteil. Wo sollte dieser Vorteil liegen? Ist eine leitliniengerechte Therapie und Differenzialdiagnostik psychischer Störungen eine Geheimwissenschaft, die nur ärztlichen Psychotherapeuten zugänglich ist? Wie verlässlich und valide sind die von Ihnen angeführten F-Diagnosen, die von Haus- oder Fachärzten vergeben werden? Bestimmte Diagnosen werden doch deshalb bevorzugt vergeben, weil sie abrechnungsrelevante Vorteile in sich bergen.

Das Vier-Ebenen-Modell ist völlig trivial, und der PP kommt darin nicht mehr vor. Ist das ein Plädoyer zum Artenschutz ärztlicher Psychotherapeuten? Man sollte besser mal über die Güte eines Zwei-Wochen-Kursus zur psychosomatischen Grundversorgung nachdenken. Fast schon amüsiert lese ich: „Viele Ärzte wissen nicht, was Psychosomatiker und Psychiater machen und schicken ihre Patienten deshalb zum Psychologen.“ Schön, wenn sich Dummheit am Ende selbst entlarvt. Diese Feststellung spricht in der Tat für einen beeindruckenden Kenntnisstand der Ärzteschaft und qualifiziert sie in besonderer Weise, die Patienten adäquat weiterzuleiten.

Dipl.-Psych. Nino di Bari, 40219 Düsseldorf

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