ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2014Schulterchirurgie: Zweitmeinung als Selbstverständlichkeit

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Schulterchirurgie: Zweitmeinung als Selbstverständlichkeit

Dtsch Arztebl 2014; 111(38): A-1572 / B-1358 / C-1290

Nolden, Gunnar

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Immer mehr „Zweitmeinungszentren“ werden von den Krankenkassen benannt und gegenüber ihren versicherten Patienten beworben. Es gibt Zentren für Diagnosen im Bereich der Hüft- und Knieendoprothetik, für Wirbelsäulenerkrankungen und für diverse andere Fachbereiche. Diesem allgemeinen Trend kann sich kein Mediziner entziehen. Mit der rasanten Ausweitung von Diagnostik und Therapiemöglichkeiten ist man auf ein gutes medizinisches Team angewiesen. Jeder seriös ausgebildete und verantwortungsbewusste Chirurg stößt irgendwann an seine fachlichen Grenzen und sollte dann auf eine kollegiale Beratung im Team zurückgreifen können. In diesem Sinn ist das von dem Autorenteam aufgelegte Buch aufzufassen. Der etwas provokante Titel wird sofort nach Lektüre und Auseinandersetzung mit den in diesem Buch dargestellten 63 Fällen ins rechte Licht gerückt.

Oft bestätigt die Zweitmeinung die Einschätzung des erstbeurteilenden Kollegen. Manchmal wird Abwarten mit einer gut überlegten operativen Zurückhaltung vor einem eventuellen Eingriff durch einen positiven Spontanverlauf belohnt. Gleichwohl werden in dem Buch aber auch ungünstige operative Verläufe und Ergebnisse, die unter Umständen zu Reinterventionen führen, beschrieben. Nicht immer ist bei Schultergelenkserkrankungen und -verletzungen eine vollständige Wiederherstellung zu erzielen. Es muss jedoch die oberste Prämisse jedes Schulterchirurgen sein, Patienten vor einem langen Leidensweg zu bewahren, und hierzu gehört selbstverständlich bei kompliziertem Verlauf und zweifelhafter Prognose eines Eingriffes die Zweitmeinung. Die Autoren haben ihre Falldemonstrationen in 13 Themenkreise unterteilt. Sie reichen von der Problematik der Frozen Shoulder über die Frakturversorgung bis hin zu dem Thema der möglichen radiologischen Fehlinterpretation. Sämtliche wichtigen Problemstellungen im Bereich der Erkrankung oder Verletzung der Schulterchirurgie werden systematisch abgehandelt. Dies schließt auch ein eigenes Kapitel ein, welches den psychologischen Faktor zur Entscheidungsfindung aus Sicht des Patienten analysiert, der sich einem Schultergelenkseingriff unterziehen muss.

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Man liest dieses Buch als Schulterchirurg mit großem Interesse. Das Layout und Konzept sind gut geeignet, um seinen eigenen Wissenstand und die Indikationsstellung zur operativen Intervention im Rahmen der Schulterchirurgie zu überprüfen. In diesem Sinne kann man die Widmung der Autoren für ihre Schüler im Vorwort mit dem Satz vorbehaltlos unterstützen: Eine „Second Opinion“ sollte nicht ein Muss, sondern eine Selbstverständlichkeit sein! Gunnar Nolden

Rainer Peter Meyer, Fabrizio Moro, Hans-Kaspar Schwyzer, Beat R. Simmen (Hrsg.): Die Zweitmeinung in der Schulterchirurgie – ein Muss. Springer, Berlin 2013, 314 Seiten, gebunden, 69,99 Euro

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