ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2014Candidaprophylaxe bei Frühgeborenen: Fluconazol senkt die Frühgeborenen-Mortalität nicht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Candidaprophylaxe bei Frühgeborenen: Fluconazol senkt die Frühgeborenen-Mortalität nicht

Dtsch Arztebl 2014; 111(38): A-1567 / B-1354 / C-1286

Hilienhof, Arne

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Fluconazol findet in vielen Bereichen der Medizin Verwendung zur Prophylaxe von Pilzinfektionen. Für frühgeborene Kinder unter 1 000 Gramm gibt es Empfehlungen, die eine Candidaprophylaxe mit Fluconazol nahelegen. Wegen potenzieller Nebenwirkungen bei Hochrisikopatienten, Resistenzbildung und Sicherheitsbedenken hat sich diese Prophylaxe jedoch auf vielen Intensivstationen im amerikanischen und europäischen Raum nicht durchgesetzt. Ob die Fluconazolprophylaxe die Sterblichkeit bei Frühgeborenen senkt, ist in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 361 Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 750 Gramm auf 32 amerikanischen Frühgeborenenstationen untersucht worden. Die Verumgruppe erhielt zwei Mal/Woche eine Fluconazolprophylaxe mit 6 mg/kg (42 Tage).

Die Forscher verglichen das Outcome der Gruppen in Bezug auf mehrere sekundäre Endpunkte, die akute Komplikationen wie Pilzinfektionen, nekrotisierende Enterokolitis oder Retinopathien und neurologische Spätschaden im ersten bis zweiten Lebensjahr erfassten. Der primäre Endpunkt war die Entwicklung einer invasiven Candidainfekion beziehungsweise der Tod des Frühgeborenen.

In Bezug auf die invasiven Candidainfektionen ergab sich eine signifikante Abnahme unter Fluconazol (Verum versus Placebo: 3 % versus 9 %; p = 0,02). Dennoch war die Sterblichkeit in beiden Gruppen mit 14 % identisch, und auch beim primären Endpunkt ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Fluconazol und Placebo (16 % versus 21 %; p = 0,24). Die Rate neurologischer Spätschäden wie Entwicklungsverzögerungen, Blindheit oder Taubheit war vergleichbar (Verum versus Placebo: 31 % versus 27 %; p = 0,6).

Fazit: Die präventive Gabe des Antimykotikums Fluconazol senkt die Rate candidabedingter Todesfälle bei Frühgeborenen (< 750 Gramm) nicht, auch wenn eine Abnahme der Pilzinfektionsrate beobachtet wurde. Fluconazol bietet in erster Linie einen Schutz vor Infektionen mit Candida albicans. Anderen Mykosen wie Aspergillus flavus, Candida krusei oder Candida labrata beugt es nicht effektiv vor. Die Fluconazolprophylaxe könne daher nicht generell empfohlen werden, sei eventuell aber auf Stationen mit einer hohen Rate an invasiven Candidainfektionen sinnvoll, allerdings bei strenger Risiko-Nutzen-Abwägung, so die Autoren. Arne Hilienhof

Benjamin DK, Hudak ML, Duara S, et al.: Effect of fluconazole prophylaxis on candidiasis and mortality in premature infants. JAMA 2014; 311: 1742–9. MEDLINE

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