ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2014Arzneimittelsicherheit: Hochaktuell
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Der Artikel greift ein hochaktuelles Thema (Verordnung von Arzneimitteln mit EDV-Unterstützung) aus Sicht der Biometrie auf, beschreibt die derzeitige Problemlage (28 000 vermeidbare Todesfälle durch Arzneimittel pro Jahr allein auf internistischen Krankenhausabteilungen) und äußert Verwunderung darüber, dass kein flächendeckender Einsatz EDV-unterstützter Verordnungssysteme zu verzeichnen ist. Die erschreckend hohe Anzahl von Todesfällen hat zu Diskussionen und einer Metaanalyse Anlass gegeben, die aber aufgrund der hohen Heterogenität der Studien scheiterte (Johnson A, Walter S, Grandt D, et al.: Fatal adverse drug reactions: a systematic review. Br J Clin Pharmacol 2009; 68 Suppl 1: 59). In dieser Situation bietet es sich an, die qualitativ hochwertigste Studie zugrunde zu legen (Ebbesen J, Buajordet I, Erikssen J, et al.: Drug related deaths in a department of internal medicine. Arch Int Med 2001; 161: 2317–23). Bei dieser Studie wurden bei 80 Prozent der Fälle Autopsien durchgeführt und Arzneimittelkonzentrationen gemessen. Auf dieser Basis wurde in rund der Hälfte der Fälle der Kausalzusammenhang ermittelt. Alle Studien, die diese Verfahren nicht angewandt haben, zeigen folglich zu niedrige Werte an. Damit wird deutlich, dass die Gefahrenmomente in der vorliegenden Arbeit nicht überschätzt wurden.

Dem Einsatz der EDV-unterstützten Verordnung steht insbesondere im Krankenhaus die Befürchtung der Ärzte entgegen, noch mehr Zeit mit Computerarbeit verbringen zu müssen. Wir haben dazu eine Untersuchung an 434 Patienten durchgeführt und festgestellt, dass die Visitenzeit ohne EDV-Unterstützung 4,73 Minuten pro Patient, mit Unterstützung aber nur 3,77 Minuten betrug (M. K. Völkel, A. Rolfes-Bußmann; unveröffentlicht). Die Furcht, mit diesen Verfahren Zeit zu verlieren, ist also unbegründet.

Die Vorteile des Verfahrens sind offensichtlich: Interaktionsprüfung, Dosierungsberatung bei Alter, Nieren- und Leberinsuffizienz, Allergie- und Kreuzallergiewarnung, Eindeutigkeit der Verordnung, vollständige Dokumentation und Beschleunigung der Arbeitsabläufe auf der Station. Schwierig, aber in hohem Maße wünschenswert wäre der Beweis einer Verbesserung der Qualität der Patientenversorgung, der bisher aussteht.

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Prof. Dr. med. Jürgen C. Frölich, 31832 Springe-Lüdersen

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