ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2014Frage der Woche an . . . Sigrid Harendza, Professorin für Innere Medizin/Ausbildungsforschung am UKE

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Sigrid Harendza, Professorin für Innere Medizin/Ausbildungsforschung am UKE

Warum ist es wichtig, dass Medizinstudierende lernen, medizinische Befunde laienverständlich zu erklären?

Dtsch Arztebl 2014; 111(38): [4]

Flintrop, Jens

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„washabich.de“ ist der Name einer Internetseite, auf der Medizinstudierende medizinische Befunde in eine für Patienten leicht verständliche Sprache übersetzen. Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) war dieser Ansatz nun erstmals Teil der ärztlichen Ausbildung im PJ-Unterricht. An dem viermonatigen Kurs „Vertiefung patientengerechter Kommunikationskompetenz“, der Ende August zu Ende gegangen ist, nahmen 24 PJ-Studierende aus Hamburg im ersten Tertial ihres PJs teil.

Warum ist es wichtig, dass Medizinstudierende lernen, medizinische Befunde laienverständlich zu erklären?

Harendza: „Was hab‘ ich?“ fragen sich offenbar viele Menschen nach dem Arztbesuch. Anders ist es kaum erklärbar, dass seit 2011 auf der Webseite washabich.de fast 20 000 medizinische Befunde ehrenamtlich von Medizinstudierenden in laienverständliche Sprache übersetzt wurden. Die während des Studiums mühsam angeeignete medizinische Fachsprache dient der raschen und präzisen Kommunikation unter Kolleginnen und Kollegen aller Gesundheitsberufe. In Patientengesprächen ist es jedoch wichtig, sich laienverständlich auszudrücken. Nur wenn die Patientinnen und Patienten ihre Befunde und die Behandlungsmöglichkeiten verstehen, können sie auf Augenhöhe mit ihren Ärztinnen und Ärzten kommunizieren. Studien haben zudem gezeigt, dass ein besseres Verständnis der eigenen Erkrankung mit einer höheren Therapietreue einhergeht. Im ärztlichen Alltag sind also Fachsprache und laienverständliche Sprache gefragt. Da kann es leicht vorkommen, dass Fachwörter unbemerkt ins Patientengespräch rutschen. Vor 20 Jahren hat das im Unterricht kaum eine Rolle gespielt. Inzwischen bieten die medizinischen Hochschulen Kommunikationstrainings an, in denen die Studierenden Gespräche mit Schauspielpatientinnen und -patienten üben. Oft gibt es jedoch darüber hinaus keine Supervision von Patientengesprächen für die Studierenden. Man geht davon aus, dass sie nach dem Training ausreichend gut kommunizieren können. In dem Kurs, der am UKE mit Unterstützung des Förderfonds Lehre der Medizinischen Fakultät Hamburg in Kooperation mit der „Was hab’ ich?“ gGmbH durchgeführt wurde, zeigte sich, dass die Studierenden durch kontinuierliches, supervidiertes Übersetzen von Patientenbefunden ihre laienverständliche Kommunikation noch weiter verbessern konnten. Außerdem gaben sie an, dass sie im PJ seit der Teilnahme am Kurs stärker auf laienverständliche Sprache im Patientenkontakt achten. JF

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