ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2014Lungenunreife bei Frühgeborenen säuglingen: Hochfrequenzbeatmung hat positive Langzeiteffekte

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Lungenunreife bei Frühgeborenen säuglingen: Hochfrequenzbeatmung hat positive Langzeiteffekte

Dtsch Arztebl 2014; 111(38): A-1567 / B-1354 / C-1286

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Hochfrequenzbeatmung (HFOV) gilt als ein lungenschonendes Verfahren: Die Belüftung der Alveolen wird durch Kombination eines leichten Überdrucks mit kurzen „hechelnden“ Atemzügen erreicht, ohne tiefes Einatmen. Die hohe Frequenz von 900 Atembewegungen pro Minute erzeugt Turbulenzen in den Luftwegen. Diese beschleunigen die Diffusion der Atemgase zwischen Außenluft und Alveolen. Ob die HFOV die Entwicklung einer bronchopulmonalen Dysplasie in den unreifen Lungen Neugeborener verhindert, ist umstritten: Frühere Studien ergaben geringe oder keine Vorteile, teilweise war die Rate von Hirnschäden durch intraventrikuläre Blutung und periventrikuläre Leukomalazie unter HFOV erhöht. Ein wesentliches Ziel der aktuellen UKOS-Studie* war es, Sicherheit und Langzeiteffekte der HFOV zu beurteilen und mit der konventionellen Beatmung zu vergleichen. Zwischen 1998 und 2004 wurden an 25 Zentren, davon 23 in Großbritannien, insgesamt 797 Frühgeborene (vor der 29. Gestationswoche) auf HFOV oder konventionelle Beatmung randomisiert. Durchschnittlich 12,5 Jahre nach der Geburt wurden die Daten von 319 Patienten ausgewertet (konventionell beatmet n = 159; HFOV n = 160).

Bei den spirometrischen Lungenfunktionsuntersuchungen ergab sich ein moderater, aber signifikanter Vorteil für Kinder, die eine Hochfrequenzbeatmung erhalten hatten. Die kleinen Atemwege scheinen besser belüftet zu werden. Erkrankungen der Atemwege traten aber auch nach konventioneller Beatmung nicht häufiger auf. Es gab keine erhöhte Rate von Hirnblutungen nach HFOV und die schulischen Leistungen waren tendenziell besser in der HFOV-Gruppe als unter konventioneller Beatmung. In beiden Gruppen hatte circa die Hälfte der Kinder Förderbedarf.

Fazit: Frühgeborene, die wegen Lungenunreife nach der Geburt beatmet werden müssen, haben als Jugendliche eine bessere Lungenfunktion, wenn Hochfrequenzbeatmung angewendet wird. Rüdiger Meyer

Zivanovic S, Peacock J, Alcazar-Paris M, et al.: Late outcomes of a randomized trial of high-frequency oscillation in neonates. NEJM 2014; 370: 1121–30.

*UKOS: United Kingdom Oscillation Study

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema