ArchivMedizin studieren4/2014Studentische Helfer: Sie blieben – trotz Gefahr

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Studentische Helfer: Sie blieben – trotz Gefahr

Medizin studieren, 4/2014: 10

Hillienhof, Arne; Richter-Kuhlmann, Eva

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Drei Medizinstudierende der Uni Witten/Herdecke arbeiteten beim Kampf gegen das Ebola-Virus in Sierra Leone mit.

Der Wittener Medizinstudent Till Eckert (3. von links) schult mit seinen Kommilitonen drei Krankenschwestern im Umgang mit den Ebola-Sicherheitsanzügen. Foto: Till Eckert
Der Wittener Medizinstudent Till Eckert (3. von links) schult mit seinen Kommilitonen drei Krankenschwestern im Umgang mit den Ebola-Sicherheitsanzügen. Foto: Till Eckert

Sie kämpften an vorderster Front gegen das Virus und fanden dabei den Tod: Einige Mitverfasser eines Artikels zur Genanalyse der in Westafrika zirkulierenden Ebola-Viren, der im Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlicht wurde, leben nicht mehr. Die Autoren sind nicht die einzigen Ebola-Todesopfer unter den medizinischen Helfern: Bislang hätten sich mehr als 240 Ärzte, Pfleger und andere Helfer angesteckt, von denen über 120 gestorben seien, teilte die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) jüngst mit. Gefährdet waren und sind auch Medizinstudierende. Ein deutscher Student, der aus Liberia zurückgekehrt war und Symptome zeigte, wurde in einem Krankenhaus in Ruanda untersucht. Glücklicherweise bestätigte sich der Ebola-Verdacht nicht. Es handelte sich um Malaria.

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Diese Fälle zeigen: Nicht nur Kriegsgebiete stellen eine Gefährdung von Leib und Leben für humanitäre Helfer dar. Auch Infektionen sind eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Einen unerwarteten Verlauf hat der Aufenthalt dreier Medizinstudierender der Universität Witten/Herdecke in Sierra Leone genommen. Geplant hatten sie die Afrikareise lange im Voraus. Als sie aufbrachen, stand das Ebola-Virus noch vor den Grenzen Sierra Leones. Dass es in den vier Wochen ihres Aufenthalts bis zu ihrem Krankenhaus nach Makeni vordringen würde, hatten sie nicht für möglich gehalten. „Das Virus kam aber immer näher. Wir haben das in den ersten drei Wochen in den Dienstbesprechungen mitbekommen“, erläutert einer der Studierenden, Till Eckert, gegenüber Medizin studieren.

Die drei hatten die Wahl: „Wir hätten abreisen oder in einem anderen Teil des Landes einfach Urlaub machen können. Wir haben uns dafür entschieden, zu bleiben und zu helfen“, so Eckert. Dazu entwickelten sie ein Konzept für eine Isolationsstation und setzten es anschließend selbst um. „Da es Probleme mit der Finanzierung gab, haben wir die Materialien als Anschubfinanzierung von unserem eigenen Geld gekauft“, so Eckert.

So konnten sie schnell mit dem Bau beginnen. Das war auch nötig: „Wir hatten gehofft, vor der Inbetriebnahme noch ein paar Tage Zeit für die Schulung der Ärzte, Krankenschwestern, Reinigungskräfte und der anderen am Prozess Beteiligten zu haben“, so der Wittener Medizinstudent. Doch daraus wurde nichts: Am Morgen nach der Fertigstellung der Station hatten sie die ersten Fälle im Krankenhaus. Glücklicherweise funktionierte das von ihnen konzipierte Neun-Schritte-System zum sicheren Entkleiden auf Anhieb hervorragend.

Die Station verfügt über einen reinen Eingang und einen Ausgang. Betreten werden darf sie nur im vollen Schutzanzug, die Desinfektion erfolgt hauptsächlich mit Chlor. Da nicht genügend Materialien vorhanden waren, um regelmäßige Ganzkörper-Spritzdesinfektionen durchzuführen, mussten die Studierenden improvisieren. „Das hat sehr gut geklappt. Am Ende wurden im ganzen Land Stationen nach unserem Vorbild eingerichtet“, freut sich Eckert.

Dass die Bedingungen nicht überall so gut sind, weiß die WHO. Oft sei die Ausstattung mit Schutzausrüstung wie Spezialkleidung, Mundschutz oder Handschuhen unzureichend, was zu einer erhöhten Infektionsrate führen könne. Zudem seien viele Helfer mit der chaotischen Situation vor Ort völlig überfordert. Ein besonderes Problem bei der Bekämpfung der Epidemie ist in Sierra Leone nach den Erfahrungen der drei Studierenden zudem die oft ungenügende Aufklärung der Bevölkerung. „Viele Menschen glauben nicht, dass das Virus überhaupt existiert, weil sie es nicht sehen können“, so Eckert. Dadurch wurden zum Teil die Leichen von verstorbenen Angehörigen zur Totenwaschung aus den Krankenhäusern entwendet, was zu weiteren Infektionen geführt habe.

Ebola wird über den Kontakt zu Körperflüssigkeiten eines Infizierten übertragen – neben Blut auch Urin, Erbrochenes, Speichel und Schweiß. Dieser Kontakt kann auch indirekt erfolgen, also über verunreinigte Kleidung, Bettlaken oder auch Türknäufe. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen schickte inzwischen weitere Ärzte in das Gebiet des Ebola-Ausbruchs im Norden der Demokratischen Republik Kongo. Ihr Einsatz und Mut verdient hohen Respekt.

Helfen! Aber wo und Wie?

www.aerzte-ohne-grenzen.de

Die internationale, unabhängige Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ leistet medizinische Nothilfe für Menschen in Krisen- und Kriegsgebieten. Bewerben kann man sich für einen Einsatz jedoch nur mit einer abgeschlossenen Facharztweiterbildung.

www.asb.de

Neben Fachwissen sind auch Flexibilität, Improvisation, Teamfähigkeit und Belastbarkeit im Auslandseinsatz gefragt. Dies lässt sich trainieren, beispielsweise mit einer Schnelleinsatzgruppe des Arbeiter-Samariter-Bundes. Eine Ausbildung zum Helfer können dort bereits Medizinstudierende absolvieren und danach auch an Einsätzen teilnehmen.

www.bvmd.de

Auch die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) bietet Entwicklungszusammenarbeit-Projekte an, die sich von den Famulaturen unterscheiden, die man sonst über die bvmd machen kann. Auch Vorkliniker können sich bewerben. Die Bewerbungsbedingungen variieren je nach Projekt. Am besten ist es, Kontakt mit dem National Public Health Officer (NPO) aufzunehmen.

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