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Politik

Studierendenbefragung: Lieber Stadt als Land

Medizin studieren, 4/2014: 20

Richter-Kuhlmann, Eva

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Neben dem Heimatbundesland präferieren Medizinstudierende vor allem größere Städte als künftigen Arbeitsort. Bei den Fächern liegt die Innere Medizin ganz vorn; die Allgemeinmedizin auf Platz 3.

Wo würden Sie später gern arbeiten? Illustration: Michael Peters (DÄ)
Wo würden Sie später gern arbeiten? Illustration: Michael Peters (DÄ)
Lieber Stadt als Land
Wo würden Sie später gern arbeiten? Illustration: Michael Peters (DÄ)

Niemals in meinem ganzen Leben will ich aufs Land ziehen“ – Aussagen wie diese fanden sich häufiger bei der Auswertung der 11 462 von deutschen Medizinstudierenden im Frühjahr dieses Jahres ausgefüllten Onlinefragebögen. Wissen wollten die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), der Medizinische Fakultätentages (MFT), die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) und die Studentenvertretung des Marburger Bundes, wohin es junge Mediziner nach dem Studium zieht und welche Berufserwartungen sie haben.

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Die Studie zeigt jetzt: Für etwa jeden zweiten Studierenden sind Landgemeinden unter 2000 Einwohnern „No Go Areas“, in denen sie später auf keinen Fall als Arzt oder Ärztin arbeiten wollen. Attraktiv für junge Mediziner sind dagegen mittelgroße Städte mit 100 000 bis 500 000 Einwohnern und Großstädte sowie das jeweilige Heimatbundesland. „Es gibt bezüglich der regionalen Präferenzen positive Tendenzen im Vergleich zur Voruntersuchung im Jahr 2010“, betonte Prof. Dr. Rüdiger Jacob von der Universität Trier, die die Studie durchführte. So habe sich die Aversion gegen eine ärztliche Tätigkeit in Landgemeinden und Landkreisen in den letzten vier Jahren verringert. Ferner wichtig für eine künftige flächendeckende Versorgung: Die Präferenzen für eine stationäre oder ambulante Tätigkeit halten sich die Waage; das grundsätzliche Inter-esse an einer Facharztweiterbildung in der Allgemeinmedizin konnte bei einigen Studierenden sogar neu geweckt werden.

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„Die Ergebnisse der aktuellen Befragung bestätigen unsere Einschätzungen. Unsere Kommilitonen sind vielseitig interessiert und gut informiert“, sagte Christian Kraef, Präsident der bvmd bei der Vorstellung der Studienergebnisse Anfang September in Berlin. Eine besondere Rolle spiele bei der Wahl eines künftigen Faches die Darstellung des Gebietes in der universitären Lehre. „Aber nur, wenn auch die Arbeitsbedingungen und Weiterbildungskonzepte stimmig sind, gelingt es, die interessierten Studierenden an ein Fach zu binden“, gab Kraef zu bedenken.

Besonders präferiert werden von den Studierenden Facharztweiterbildungen in der Inneren Medizin, der Kinder- und Jugendmedizin, der Anästhesiologie und der Allgemeinmedizin. Urologie, Dermatologie und Augenheilkunde sind bei den Studierenden dagegen weniger beliebt. Etwa zehn Prozent der Befragten möchten Hausärzte werden; etwa 35 Prozent können sich dies zumindest vorstellen. „In diesen 25 Prozentpunkten liegt ein großes, Potenzial für die hausärztliche Versorgung“, meint Janna-Lina Kerth von der bvmd. „Dieses wird man jedoch nicht mit weiteren Pflichtabschnitten und Zwangsregelungen erreichen können, sondern nur durch strukturelle Verbesserungen.“ Für die Allgemeinmedizin spiele nicht zuletzt auch das Image eine ausschlaggebende Rolle. „Obwohl dieses in den vergangen Jahren besser geworden ist, hält sich das Bild des wenig verdienenden, ständig verfügbaren Einzelkämpfers“, berichtete sie.

Welche Facharztweiterbildung würden Sie jetzt wählen?

Die KBV hat reagiert: Mit ihrer seit dem Sommersemester laufenden Kampagne „Lass Dich nieder!“ verdeutlicht sie die vielfältigen Möglichkeiten einer ärztlichen Tätigkeit im ambulanten Bereich. Unterstützt wird dies auch von der Politik. Am 4. November eröffnet Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) einen KBV-Infotag zur Niederlassung an der Berliner Charité. Ziel müsse es künftig sein, die Aus- und Weiterbildung im ambulanten Bereich sowohl inhaltlich als auch finanziell so zu gestalten, dass die Studierenden sie als mindestens gleichwertige und attraktive Alternative zum Krankenhaus wahrnehmen, erklärte Dipl.-Med. Regina Feldmann, Vorstand der KBV. Es bedürfe einheitlicher Förder- und Vergütungsstandards sowie einer besseren Verzahnung von Aus- und Weiterbildung.

@ Infos zur Niederlassung: www.lass-dich-nieder.de

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