ArchivMedizin studieren4/2014Wissenschaftliche Studie: Ein Plus für Teddy docs

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Wissenschaftliche Studie: Ein Plus für Teddy docs

Medizin studieren, 4/2014: 22

Hillienhof, Arne

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Eine aktuelle Studie der Universität Marburg belegt: Die mit viel Engagement betriebenen Teddybärkliniken an den medizinischen Fakultäten sind für die teilnehmenden Kinder ein echter Gewinn.

„Unser Ziel ist es, den Kindern die Abläufe im Krankenhaus näherzubringen.“ Omid Ahmad, bvmd. Foto: Fotolia/ vschlichting
„Unser Ziel ist es, den Kindern die Abläufe im Krankenhaus näherzubringen.“ Omid Ahmad, bvmd. Foto: Fotolia/ vschlichting

Sebastian’s Rüsselschwein hat Bauchschmerzen. „Wahrscheinlich hat er zu viele Gummibärchen gefressen“, erläutert der Siebenjährige gegenüber dem Teddydoc und legt sein Stofftier vorsichtig auf den Behandlungstisch. Der nickt ernst und notiert die Angaben im Anamnesebogen. „Aber zur Sicherheit müssen wir noch röntgen“, empfiehlt er und füllt den entsprechenden Anforderungsschein aus. Der Teddydoc kann Sebastian beruhigen: „Das bekommen wir hin, das wird wieder!“ Glücklich zieht Sebastian mit seinem Rüsselschwein wieder ab, hinüber zur Röntgenabteilung im Nachbarraum.

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In den Teddybärkliniken haben Kindergartenkinder die Möglichkeit, ihre „kranken“ Kuscheltiere zur Behandlung mitzubringen. „Unser Ziel ist es, den Kindern die Abläufe im Krankenhaus näherzubringen, ohne dass sie selbst davon als Patienten betroffen sind“, erläutert Omid Ahmad, einer der beiden Teddybärkrankenhaus-Projektleiter der bvmd. Die Teddydocs möchten den Kindern so die Angst vor dem weißen Kittel nehmen. „Gleichzeitig lernen sie spielerisch, wie der menschliche Körper funktioniert, was für einen ‚gesunden‘ Teddy wichtig ist und dass man manchmal bei einer Krankheit mit ganz einfachen Mitteln helfen kann“, so Ahmad.

Wissenschaftler der Philipps-Universität haben jetzt gezeigt, dass die „Teddybärklinik“ das Wissen von Kleinkindern über Körper, Gesundheit und Krankheit vergrößert. In einem gemeinsamen Projekt zwischen der Kinderklinik und dem Fachbereich Psychologie gingen sie dieser Frage nach. Das Projekt haben Dr. Corinna Leonhardt und Dr. Jutta Margraf-Stiksrud vom Fachbereich Psychologie und Prof. Dr. Rolf Felix Maier, Direktor der Marburger Kinderklinik, geleitet.

Dazu befragten die Wissenschaftler in einer Verum- und einer Kontrollgruppe insgesamt 131 Kindergartenkinder auf spielerische, aber standardisierte Weise nach ihrem Wissen über den menschlichen Körper, über Gesundheit und über Krankheiten. „Die Teddybärkliniken werden mit sehr großem Engagement geplant und durchgeführt“, erläutert Margraf-Stiksrud gegenüber Medizin studieren. „Alles unter dem Gedanken, dass die Kinder dies nicht nur als schönen Zeitvertreib erleben, sondern tatsächlich davon profitieren. Genau dies wollten wir wissenschaftlich ermitteln“, umreißt sie den Leitgedanken der Untersuchung.

Tatsächlich konnten die Wissenschaftler zeigen, dass Kleinkinder, die die Teddybärklinik besucht hatten, hinterher mehr über den menschlichen Körper wussten als gleichaltrige Kinder, die nicht an der Teddybärklinik teilgenommen hatten. „Außerdem haben wir Hinweise gefunden, dass hochängstliche Kinder nach der Teddybärklinik weniger Angst vor Ärzten und Kliniken haben als vorher“, so Margraf-Stiksrud. Ihr Fazit: Teddybärkliniken sind für die Kinder hochgradig sinnvoll. Sie im jährlichen Rhythmus in einer Stadt zu veranstalten, mache Sinn. Die Psychologin empfiehlt außerdem aus der Erfahrung der Studie, bei der Vorbereitung der Medizinstudierenden auf die Teddybärklinik noch systematischer die erwünschten Ziele zu berücksichtigen.

„Manche Kinder sind anfangs still und verschließen sich ein wenig vor dem Teddydoc in seinem weißen Kittel. Aber sobald sie die ersten Herztöne ihres Teddys hören, das Röntgenbild sehen und selbst mithelfen können, ist das Eis gebrochen und sie öffnen sich dem Teddydoc“, berichtet Ahmad. Die Kinder nehmen dann alles viel genauer auf und beginnen, Fragen zu stellen. „Ein schönes Erlebnis vor einiger Zeit war, dass ich auf der Straße von einem der Kindergärtner hörte, dass die Kinder sogar noch Wochen nach dem Besuch der Teddybärklinik voller Faszination von ihrem Besuch erzählten“, so der bvmd-Koordinator.

How to do

„Ihr wollt selbst ein Teddybärkrankenhaus veranstalten und durchführen? Das ist großartig!

Für die Organisation braucht Ihr zunächst ein Team motivierter und kinderfreundlicher Medizinstudierender. Ein engagierter Kinderarzt an Eurer Uniklinik oder der lokalen Kinderklinik erleichtert die Sache: Er oder sie kann beispielsweise die Schirmherrschaft übernehmen und die Medizinstudierenden, die gerne als Teddydoc tätig werden wollen, im Umgang mit Kindern schulen.

Ihr könnt Euch auf der bvmd-Website Startmaterial herunterladen (http://bvmd.de/arbeit/scoph/tbk/downloads/). Dort gibt es auch Filme über Teddybärkliniken in Köln und Düsseldorf und Präsentationen über die Teddykrankenhäuser in Bochum und Dresden sowie eine Präsentation zur Schulung von Teddyärzten.

Solltet ihr Fragen zur Organisation oder zur Durchführung eines Teddybärkrankenhauses haben, wir stehen Euch jederzeit per E-Mail zur Verfügung: tbk@bvmd.de.“

Omid Ahmad, Teddybärklinik-Koordinator der bvmd

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