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Interview: Land in Sicht

Medizin studieren, 4/2014: 24

Hillienhof, Arne

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35 Famulaturplätze in ländlichen Regionen vermitteln die bvmd und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Bayerns im Rahmen des Projektes „Land in Sicht“. Medizin studieren hakte nach bei den Initiatoren Pascal Nohl-Deryk und Jonas Heismann.

Foto: Fotolia/DudarevMikhail; privat
Foto: Fotolia/DudarevMikhail; privat

30 Famulaturen in einer Hausarztpraxis, fünf bei Fachärzten. Haben sich viele Medizinstudierende um einen Platz beworben?

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Pascal Nohl-Deryk: Wir hatten zum Ende des Bewerbungszeitraums etwa zwei Bewerber pro Famulaturplatz. Die Studierenden haben das Angebot also sehr gut angenommen. Aber auch bei den Ärzten war die Resonanz im Vorfeld sehr gut.

Bei den Ärzten?

Jonas Heismann: Die Praxen wurden von der KV durch zuvor festgelegte Kriterien ausgewählt. Dabei gab es viele Rückmeldungen von Praxen an die KV Bayerns.

Pascal Nohl-Deryk, 8. Semester, Bochum (links) und Jonas Heismann, 8. Semester, Bonn
Pascal Nohl-Deryk, 8. Semester, Bochum (links) und Jonas Heismann, 8. Semester, Bonn

Was genau bezwecken Sie mit „Land in Sicht“?

Nohl-Deryk: Wir glauben, dass die Arbeit auf dem Land als Haus-, aber auch Facharzt überhaupt nicht langweilig ist. Im Gegenteil. Ziel des Projektes ist, Medizinstudierende für diese Form des Arbeitens, für den direkten Patientenkontakt und die umfassende Versorgung, zu begeistern. Es gibt ja immer wieder Vorstöße, die Allgemeinmedizin über Zwangsmaßnahmen zu fördern, zum Beispiel über Stipendien für Studierende, die sich verpflichten, später als Hausarzt in unterversorgten Regionen zu arbeiten.

Heismann: Das ist jedoch der falsche Weg. Wir brauchen Überzeugungstäter. Die Famulatur im Rahmen von „Land in Sicht“ kann positive Erfahrungen und damit Perspektiven vermitteln.

Nohl-Deryk: Das Projekt ist damit ein Gegenentwurf zu Zwangsmaßnahmen im Studium. Wir setzen auf Begeisterung.

Die Studierenden erhalten für die vierwöchige Famulatur ein Stipendium von 300 Euro. Ist das als Anreiz gedacht?

Nohl-Deryk: Nicht als Anreiz, sondern als Ausgleich. Viele Studierende arbeiten nebenher, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Wer vier Wochen weit ab von seinem Studienort famuliert, kann in dieser Zeit nichts verdienen. Das Stipendium soll dies ausgleichen.

Heismann: Außerdem gibt es einen Fahrtkostenzuschuss bis maximal 216 Euro.

Wie geht es jetzt weiter?

Nohl-Deryk: Nach der vierwöchigen Famulatur werden wir die Erfahrungen der Teilnehmer auswerten. Wir haben unter anderem vorher abgefragt, wer sich grundsätzlich vorstellen kann, später auf dem Land zu arbeiten. Mal schauen, ob sich nach den Famulaturen bei einigen etwas verändert hat. Vielleicht haben wir auch Medizinstudierende darin bestärkt, auf dem Land zu arbeiten. Auch das wäre ein schöner Erfolg.

Heismann: Vielleicht können wir das Projekt im nächsten Sommer vorsichtig auf andere Regionen ausweiten. Positive Rückmeldungen auf die Initiative haben wir eine ganze Reihe erhalten, zum Beispiel aus Thüringen.

Famulatur

Zunächst 30 Famulaturplätze in hausärztlichen und fünf in fachärztlichen Praxen vermitteln die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Bayerns. Die im Rahmen des Projektes „Land in Sicht“ ausgewählten Praxen liegen in bayerischen Ortschaften mit weniger als 15 000 Einwohnern – bevorzugt in Gebieten mit festgestellter oder drohender Unterversorgung.

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