ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2014Schach: Zwischen Spinnen und Ileus

SCHLUSSPUNKT

Schach: Zwischen Spinnen und Ileus

Dtsch Arztebl 2014; 111(39): [56]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Einmal im Jahr treffen sich die Uralt-Internisten des ehemaligen Kreiskrankenhauses München Altperlach – das inzwischen in der guten neuen Zeit angekommen ist, sprich zu den Rhönkliniken gehört, die ihrerseits von Fresenius geschluckt wurden – und gedenken der alten Zeiten, die so schlecht vielleicht auch nicht waren. Zumindest war alles noch wesentlich familiärer als heutzutage, obwohl auch damals schon Überbelegung, also Patienten auf den Gängen, die größte Freude des Landkreises München als Träger war.

Ich erwähnte schon einmal an dieser Stelle, dass wir bei diesen Zusammenkünften großmütig auch jeweils einen Chirurgen mittafeln lassen. Bei allen internistisch-intrinsischen Vorbehalten gegenüber dieser Spezies unzweifelhaft ein Gewinn, zumal sich dann ein befruchtender interdisziplinärer Dialog entwickeln kann. Nicht nur zwischen den Antipoden Chirurgie und Innere Medizin, auch über das Mit- beziehungsweise Gegeneinander von Chirurgie und Psychiatrie kann man einiges erfahren. So schildert der chirurgische Kollege, Dr. med. Gerhard Dech, wie die Psychiatrie im nahen Haar von unserer Chirurgie konsiliarisch mitversorgt wurde und der chirurgische Chefarzt, eine Seele von Mensch, höchstpersönlich nach einer Visite dort noch im weißen Arztkittel ins Auto stieg, um nach Hause zu fahren. Auf einem nahegelegenen Parkplatz wollte er wieder seine Zivilkleidung anziehen; doch als er nun in Unterhosen neben seinem Auto stand, kam zufällig eine Polizeistreife vorbei und fragte ihn, woher er käme. Die Antwort „Aus Haar“ führte folgerichtig zur Aufforderung „Kommen Sie mit uns mit!“ Doch großes Erstaunen im Klinikum Haar: „Aber, Herr Chefarzt, warum kommen Sie noch einmal?“, und bei der verdutzten Polizei: „Warum sagten Sie nicht, dass Sie Chefarzt sind?“ Die lapidare Antwort: „Sie haben mich ja nicht gefragt!“

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Aus solchem Holz waren also unsere Herren Chefärzte geschnitzt, Sie dürfen nun aufs Gescherr schließen.

Ein andermal wollte der Kollege eine Patientin nach Haar schicken und kündigte diese telefonisch an: „Die spinnt.“ Die psychiatrische Kollegin am anderen Ende: „Das ist keine Diagnose. Hat sie eine Neurose oder Psychose? Die spinnt, das geht nicht.“ Dr. Dech: „Das geht genauso wie Ihre Ileusse (Plural von Ileus, so es die Grammatik will), die auf dem Weg nach Altperlach das große Scheißen bekommen.“ Was soll man sagen, die beiden wurden ziemlich beste Freunde.

Jetzt aber Schach. Dummerweise habe ich keine Perlacher, ja nicht einmal eine Münchner Kombination.

Aber immerhin ist Dr. med. Horst-Peter Wagner Chefarzt der Inneren Medizin in Cochem und hat vermutlich schon einmal den FC Bayern München im Fernsehen gesehen, das muss als Bezug diesmal reichen. Mit welch schönem kombinatorischen Schlag errang er als Schwarzer gegen Dr. med. Erik Allgaier trotz der „unverdächtigen“ Stellung den entscheidenden Vorteil?

Lösung:

Das Springeropfer 1. . . .  Sxd3! durfte Weiß nicht annehmen, weil nach 2. Dxd3 f3! der (über)lebenswichtige Bauer h3 nicht mehr zu decken gewesen wäre. Deshalb versuchte er noch 2. Dg2 (Anderes war auch aussichtslos), war aber nach
2. . . .  f3! 3. Dg5 (3. Dg3 Le5 mit Damengewinn) Dxh3+ 4. Kg1 Le5 auch verloren.

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