ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2014E-Learning: Hilfreich in der Pflege

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E-Learning: Hilfreich in der Pflege

Dtsch Arztebl 2014; 111(39): A-1656 / B-1428 / C-1360

Reum, Lutz

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Eine Studie belegt die Effizienz von E-Learning-Kursen in der Pflege.

Die Symptome für ein Delirium werden von Pflegekräften häufig nicht rechtzeitig erkannt. Foto: Your Photo Today
Die Symptome für ein Delirium werden von Pflegekräften häufig nicht rechtzeitig erkannt. Foto: Your Photo Today

Für die ambulante und vor allem die stationäre Pflege werden die Weiter- und Fortbildung künftig noch eine größere Bedeutung erhalten. Der Hintergrund: In einigen Bundesländern konstituieren sich derzeit Pflegekammern – die erste wird voraussichtlich Anfang 2015 in Rheinland-Pfalz ihre Arbeit aufnehmen. Weiter- und Fortbildung gehören zu den ureigenen Aufgaben der Pflegekammern. Eine Herausforderung dabei ist es, die große Anzahl der Pflegekräfte kontinuierlich zu schulen, um einen gleichbleibend hohen Pflegestandard zu erreichen und zu halten. Hier werden reine Präsensveranstaltungen bei weitem nicht ausreichen, um diese Anforderung zeitgerecht zu erfüllen.

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Didaktisch gut aufbereitete E-Learning-Kurse können dafür eine zukunftssichere Alternative oder auch kontextbezogene Ergänzung zu den notwendigen Lehr- und Lernangeboten darstellen. In einer jüngst veröffentlichten Studie* wurde an 18 niederländischen Krankenhäusern (zwei Unikliniken, fünf Lehr- und elf Allgemeinkrankenhäusern) über einen Zeitraum von elf Monaten untersucht, ob und wie mittels E-Learning der Umgang mit älteren Patienten mit Verwirrtheitssymptomen im Krankenhaus, insbesondere auch nach einer Operation, verbessert werden kann.

Erkennen von akuten Verwirrtheitszuständen

Das frühzeitige Erkennen von akuten Verwirrtheitszuständen (Delirium) vor allem bei älteren Patienten im stationären Bereich ist für das Pflegepersonal besonders wichtig, weil sie mit vielen negativen Begleiterscheinungen einhergehen. In vielen Fällen werden die Symptome, die zu diesem verwirrten Verhalten führen, von Pflegekräften nicht rechtzeitig oder oft überhaupt nicht als solche erkannt. Es gibt zwar geeignete Verfahren des Risikoscreenings, um die gefährdeten Patienten zu identifizieren, aber es fehlt häufig an Wissen über diese Screeningmethoden. Die Folge ist eine nicht immer patientengerechte Pflege. Längere Kranken­haus­auf­enthalte, schnellerer körperlicher Abbau und eine längere Intensivpflege sind die möglichen Konsequenzen.

Für die Studie wurden Monat für Monat schrittweise an je einem weiteren der beteiligten Krankenhäuser die E-Learning-Kurse eingeführt, jeweils für das Pflegepersonal auf einer normalen und einer chirurgischen Station. Dabei wurden die Kurse den Pflegekräften im Rahmen einer Veranstaltung nähergebracht, um sie für die Studienteilnahme optimal zu motivieren. Die Pflegekräfte, die die Kurse nicht innerhalb eines Monats durchgearbeitet hatten, erhielten per E-Mail Erinnerungen, die nach zwei Monaten nochmals wiederholt wurden. Den Kursabschluss bildete eine Wissensüberprüfung der Teilnehmer: Wer 80 Prozent der Prüfungsfragen korrekt beantwortet hatte, bekam dafür ein Zertifikat. Wer diesen Prozentsatz nicht erreicht hatte, konnte den Test wiederholen.

Besseres Verständnis bei den Pflegekräften

Insgesamt wurden in der Studie mehr als 3 200 Patientenakten mit und ohne den vorgeschalteten E-Learning-Kurs auf ein Erkennen eines möglichen Deliriums bei den Patienten untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass in mehr als 65 Prozent der Fälle die Pflegekräfte nach erfolgreichem Bestehen des Kurses ein Delirium zweifelsfrei feststellen konnten, im Vergleich zu circa 50 Prozent bei der Kontrollgruppe ohne den vorgeschalteten E-Learning-Kurs. Darüber hinaus haben die Kurse bei den Pflegekräften auch zu einem wesentlich besseren Verständnis und Wissen im Hinblick auf das Thema Delirium beigetragen und somit auch zu einer besseren Behandlung und Versorgung der Betroffenen geführt.

Die Studie wurde vom Netherlands Institute for Health Services Research durchgeführt und vom Niederländischen Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport gefördert. Den E-Learning-Kurs haben der niederländische Verlag Noordhoff Uitgevers bv, der inzwischen als Noordhoff Health auch in Berlin eine Niederlassung hat, gemeinsam mit einem niederländischem Krankenhaus konzipiert.

Dr. rer. nat. Lutz Reum, Obertshausen

*van de Steeg et al.: Can an e-learning course improve nursing care for older people at risk of delirium: a stepped wedge cluster randomised trial. BMC Geriatrics 2014, 14:69, www.biomedcentral.com/1471–2318/14/69.

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