ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2014Deutscher Apothekertag: Das heilberufliche Profil schärfen

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Deutscher Apothekertag: Das heilberufliche Profil schärfen

Dtsch Arztebl 2014; 111(39): A-1628 / B-1408 / C-1340

Korzilius, Heike

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Die Apotheker haben in München das Perspektivpapier „Apotheke 2030“ verabschiedet. Im Vordergrund stehen die Vernetzung mit den anderen Gesundheitsberufen sowie das Medikationsmanagement für die Patienten.

Es ging um nicht weniger als die Zukunft des Berufsstandes beim diesjährigen Deutschen Apothekertag. „Apotheke 2030“ lautete der Titel des Perspektivpapiers, das die 300 Delegierten, die vom 17. bis 19. September in München zusammengekommen waren, dort mit großer Mehrheit verabschiedeten. Der Inhalt: Die Apotheker wollen ihr heilberufliches Profil schärfen und künftig in einem Netzwerk zusammen mit Ärzten und anderen Gesundheitsberufen Patienten begleiten und für deren systematisches Medikationsmanagement sorgen. Mit der Annahme des Papiers ging ein zum Teil heftig und kontrovers geführter Diskussionsprozess zu Ende, an dem sich die Apotheker in den vergangenen zwölf Monaten über Online-Plattformen und in Veranstaltungen beteiligen konnten.

Jetzt müsse man mit der Umsetzung der im Perspektivpapier formulierten Ziele beginnen, erklärte der Vizepräsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Mathias Arnold, im Anschluss an die Abstimmung. „Wir wollen definieren, auf welchem Weg wir ein systematisches Medikationsmanagement installieren können, wie wir die Versorgungsstrukturen für die Zukunft anpassen sollten und welche Qualifikation der Apotheker in Zukunft dafür braucht.“

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Wo Ärzte fehlen, werden Apotheker wichtiger

Als „Beweis für die Handlungsfähigkeit und das Selbstvertrauen des Berufsstandes“ würdigte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt das Perspektivpapier. Am meisten überzeuge ihn das Bekenntnis zur Arbeit im heilberuflichen Netzwerk. „Damit eröffnen wir den Weg in ein neues Gesundheitswesen, welches weniger als heute von Wettbewerb untereinander und von Sektorierung und Segregation geprägt sein wird.“ Schmidt erklärte aber auch, dass man im Netzwerk auf der Grundlage eindeutiger Zuständigkeitsbeschreibungen unter Wahrung der Kompetenzen der anderen Gesundheitsberufe zusammenarbeiten wolle. Er hob zudem die besondere Bedeutung von Therapiebegleitung und Medikationsmanagement für die Zukunftssicherung der Apotheke hervor. Dieses Ziel müsse bei der Weiterentwicklung der Aus-, Weiter- und Fortbildung der Pharmazeuten berücksichtigt werden.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) würdigte den Beitrag, den die Apotheker für eine qualitativ hochwertige und flächendeckende Versorgung der Patienten mit Arzneimitteln leisten. Angesichts der alternden Gesellschaft mit mehr chronisch kranken und dementen Patienten würden die Beratungsleistungen der Apotheker zunehmend wichtig, sagte Gröhe in München. Auf die Forderung der Apotheker, diese Beratungsleistung auch angemessen zu honorieren, indem der Fixzuschlag auf jede abgegebene Arzneimittelpackung regelmäßig angepasst wird, entgegnete der Minister: „Wir werden beobachten, ob neue Anpassungen notwendig sind. Dafür brauchen wir aber belastbare Daten.“ Ähnliches gelte für die geforderte Erhöhung der Honorare für die Abgabe von Rezepturen und Betäubungsmitteln. Diese Frage berate er derzeit mit den Koalitionsfraktionen und dem Bundeswirtschaftsministerium. Zur 2013 erhöhten Notdienstpauschale sagte Gröhe: „Wir werden prüfen, ob das angemessen ist.“ Da erst drei Quartale abgerechnet seien, wolle man zunächst die endgültigen Zahlen abwarten. Der Minister ging auch auf den drohenden Nachwuchsmangel bei den Heilberufen ein. Eine bessere Verteilung insbesondere der Ärzte, der Abbau von Über- und Unterversorgung beschäftigten ihn sehr, erklärte Gröhe. „Dabei könnten da, wo Ärzte fehlen, Apotheker umso wichtiger werden“.

Heike Korzilius

Entlassrezept gefordert

Der Deutsche Apothekertag hat sich für ein einheitliches Entlassrezept ausgesprochen. Es soll sicherstellen, dass Patienten, die nach einem Kranken­haus­auf­enthalt weiterhin Arzneimittel brauchen, diese unkomplizierter erhalten als bisher. Die Delegierten stimmten einem entsprechenden Antrag des Vorstandes der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände zu. Im Alltag litten viele Patienten darunter, dass sie nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus zunächst einen niedergelassenen Arzt aufsuchen müssten, um sich auf der Grundlage des Arztbriefs aus dem Krankenhaus eine Verordnung ausstellen zu lassen, so die ABDA. Das bereite vor allem ab Freitagmittag und bei eingeschränkter Mobilität Schwierigkeiten. Das Problem lässt sich nach Ansicht des Verbandes am besten dadurch lösen, dass die Krankenhausärzte ein standardisiertes Entlassrezept auf Wirkstoffbasis ausstellen, das die Patienten dann in der Apotheke einlösen. Das Rezept, auf dem nur N1-Packungen verordnet werden dürften, berge auch Vorteile für die niedergelassenen Ärzte. Sie könnten die im Krankenhaus begonnene Therapie ohne Zeitdruck auf wirtschaftlichere Arzneimittel umstellen. Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass die nicht von niedergelassenen Ärzten verordneten Arzneimittel auch nicht deren Arzneimittelbudget zugerechnet würden, so die ABDA. Um das Entlassrezept einzuführen, ist eine Gesetzesänderung erforderlich.

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