Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Vielen Dank für diesen Kommentar, der dem Thema der E-Zigarette einen weiteren Aspekt hinzufügt. Allerdings halten wir diesen in der Gesamtbewertung für letztlich nachgeordnet, und zwar aus folgenden Gründen. Zunächst enthalten keineswegs alle konsumierten Liquids Nikotin. Ferner sollte das Risiko in Relation zu dem bekannter Kanzerogene des Zigarettenrauchs gesehen werden, vor allem, wenn ein Raucher konventioneller Zigaretten auf E-Zigaretten wechselt. Auch ist von Bedeutung, dass wir die Risiken aus kanzerogenen Kohlenwasserstoffen auf allen Ebenen sehr gut einschätzen können. Dies ist für Nikotin nicht der Fall. Die Daten leiten sich im Wesentlichen aus experimentellen Modellen ab, die Befunde werden aber nicht epidemiologisch gestützt, beispielsweise anhand eines erhöhten Krebsrisikos der Nikotinersatztherapie. Auch ist die Modellierung der Nikotinwirkung beim Menschen insofern problematisch, als Acetylcholinrezeptoren des nikotinergen Typs exprimiert werden, aber keine Nikotinrezeptoren im eigentlichen Sinne; dies erfordert eine sorgfältige Wahl der Kontrollexperimente.

Darüber hinaus scheint gemäß den vorliegenden Daten der Applikationspfad (subkutan versus inhalativ) für das Auftreten abträglicher Effekte bedeutsam. Ferner haben eine Tumorinduktion und eine Förderung der Progression unterschiedliche Konsequenzen für das Risiko, je nach Vorbelastung. Daher scheint uns die Datenlage keineswegs eindeutig, was die Extrapolation auf den Menschen angeht.

Wir sind zwar der Meinung, dass vor allem die langfristigen Risiken der E-Zigarette unzureichend bekannt sind. Gleichwohl sollte das Gesamtrisiko der E-Zigarette – inklusive des nikotinbedingten – stets in Relation zu bekannten, potenten Kanzerogenen sowie entzündungsinduzierenden Schadstoffen im Zigarettenrauch betrachtet werden. Aus klinischer Perspektive sind die Beendigung oder zumindest eine Reduktion des Zigarettenkonsums stets ein Gewinn, zumal wir keine wirksameren Interventionen gegen Lungenkrebs und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) kennen als den Rauchstopp.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0682b

Für die Autoren

Prof. Dr. med. Dennis Nowak

Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin
Klinikum der Universität München

dennis.nowak@med.uni-muenchen.de

Interessenkonflikt

Prof. Nowak wurde honoriert für Beratertätigkeit (Advisory Board) von der Firma Pfizer (Hersteller von Produkten zur Tabakentwöhnung). Er bekam Vortragshonorare von der Firma GSK. Prof. Nowak ist Mitglied der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesinstituts für Risikobewertung.

PD Dr. Jörres hat für die Firmen GSK, AstraZeneca, Boehringer, Novartis und Mundipharma Vorträge (über Themen der Pneumologie, die nicht mit der Tabakentwöhnung in Verbindung stehen) gehalten und im Zuge dessen Reisekosten erstattet bekommen beziehungsweise Honorare erhalten. Er ist Mitglied des Führungskreises der Nationalen COPD-Kohorte COSYCONET.

Dr. Rüther wurde honoriert für Beratertätigkeiten und bekam Vortragshonorare von den Firmen Pfizer und Johnson & Johnson. Dr. Rüther ist Mitglied der S3-Leitlinienkommission Tabakabhängigkeit der AWMF. Er ist Studienleiter klinischer Auftragsstudien zur medikamentösen Tabakentwöhnung des Pharmaunternehmens Pfizer und Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS).

1.
Nowak D, Jörres RA, Rüther T: E-cigarettes—prevention, pulmonary health, and addiction. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 349–55. VOLLTEXT
1.Nowak D, Jörres RA, Rüther T: E-cigarettes—prevention, pulmonary health, and addiction. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 349–55. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige