ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2014Selbstmanagement: Wer motiviert den Arzt?

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Selbstmanagement: Wer motiviert den Arzt?

Dtsch Arztebl 2014; 111(40): [2]

Madel, Michael

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Es ist häufig die Rede davon, was Führungskräfte tun können, um in schwierigen Zeiten zur Motivation der Mitarbeiter beizutragen. Darüber wird zuweilen vergessen, dass auch eine Führungskraft ins Demotivationsloch fallen kann. Wer hilft dem Arzt, schwierige Probleme motiviert anzugehen?

Foto: picture alliance
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Die Antwort lautet: „Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir niemand!“ Der Arzt sollte Selbstmanagementmethoden nutzen, um sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf der Demotivation zu ziehen. Bewährt hat sich die distanzierte Selbstreflexion: Der Arzt betrachtet die Problematik von oben aus der Berg-Perspektive, er erhebt sich über das Motivationsproblem und versucht, einen übergeordneten Außenstandpunkt einzunehmen: „Wenn ich dasselbe Motivationsproblem hätte wie dieser Kollege da unten: Was würde ich tun?“

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Der Blickwinkel von oben befreit den Arzt aus den persönlichen Verstrickungen in das Motivationsproblem und macht den Blick frei für neue Lösungsmöglichkeiten. Es empfiehlt sich, den schriftlichen Weg einzuschlagen: Vielen Menschen fällt es leichter, wenn sie zur Selbstvergewisserung die schriftliche Form wählen und ein Tagebuch führen oder sich Fragen zu ihrer augenblicklichen Motivationslage schriftlich stellen und beantworten.

Demotivation ist oft auf unbewusste Glaubenssätze zurückzuführen, die uns daran hindern, Gestaltungsenergie zu aktivieren. Es ist für die Weiterentwicklung des Arztes nützlich, die als hemmend identifizierten Glaubenssätze zu erkennen und umzudeuten. Vielleicht lässt sich ein Glaubenssatz wie „Das kann ich sowieso nicht“ ersetzen durch eine „Ich-vermag-es-Haltung“.

Die Akzeptanz, dass es solche Glaubenssätze gibt, bedeutet oft den ersten Schritt zur Veränderung. Darum sollte der Arzt sich fragen, welche Glaubenssätze ihn belasten und daran hindern, seine Gestaltungsenergie zu entfalten. Dann verfügt er über einen Ansatzpunkt, neue und förderliche Überzeugungen aufzubauen.

Neben dem Selbstmanagement hilft die Unterstützung von außen weiter: Manche externen Coachs bieten ein sogenanntes Zielcoaching an: Der Arzt hat hier und heute ein Problem – entsprechend niedergeschlagen ist er. Und ausgerechnet heute steht ihm das schwierige Mitarbeitergespräch bevor – der Mitarbeiter erbringt nicht die gewünschte Leistung. Es droht die Gefahr, dass er die negative Energie, die er aufgebaut hat, mit in das Mitarbeitergespräch nimmt. Das darf nicht sein.

Der Arzt führt darum mit einem Coach ein Telefonat und erhält kurz und prägnant Unterstützung durch den externen Berater. Dieser verdeutlicht ihm, wie oft er in der Vergangenheit ähnliche Situationen gemeistert hat und fokussiert ihn auf positive Ereignisse. Vor allem aber versucht er, die destruktiven Gedanken des Arztes zu verscheuchen.

Externer Feedbackgeber

Natürlich muss der externe Berater für seine Dienstleistung bezahlt werden. Das Zielcoaching bietet jedoch den großen Vorteil, dem Arzt punktuell und zeitnah bei problematischen Situationen professionelle Unterstützung zu garantieren. Allerdings: Nicht jeder Arzt möchte mit einem externen Coach seine Motivationsprobleme besprechen, deren Gründe oft im privat-persönlichen Bereich angesiedelt sind. Der Coach ist und bleibt ein Außenstehender, selbst wenn der Arzt zu ihm ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat.

Eine Alternative ist ein naher Freund oder ein Bekannter, dem der Arzt vertraut und den er um Hilfe bitten kann. Dieser Freund oder Bekannte ist zwar kein professioneller Coach – er kennt den Arzt aber auf der privaten Ebene so gut, dass er ihm helfen kann, sich aus dem Demotivationsloch zu befreien. Indem er dem Arzt als außenstehende Person ein Feedback gibt, kann es gelingen, Motivationsimpulse zu setzen.

Vielleicht sollte der Arzt einen Motivationszirkel gründen – und zwar mit anderen Ärzten. Um den fachlichen Austausch geht es dabei nur am Rande. Entscheidend ist, dass sich Menschen, die sich auf der gleichen Hierarchiestufe befinden, auf Augenhöhe austauschen, produktiv kritisieren und motivieren können, auch weil man die Probleme des Kollegen aus eigener Erfahrung kennt.

In zeitlich eng umrissenen Treffen, die in knappen Zeitabständen durchgeführt werden – etwa jede Woche, bei Bedarf auch öfter –, spricht der Arzt mit anderen Ärzten darüber, was gut funktioniert, was weniger gut, welche motivatorischen Probleme die Kollegen und er selbst haben. Er erfährt, wie die Kollegen ihre Motivationsprobleme lösen, und kann diese Problemlösungen auf seine Situation übertragen.

Es geht um den angstfreien Blick über den Tellerrand der eigenen Motivationsprobleme hinaus, um den Erfahrungsaustausch und darum, von anderen Menschen und deren Erfahrungen zu profitieren. Nach der Teilnahme an einem Motivationszirkel sind viele Ärzte in der Lage, eine andere Perspektive zu ihren Motivationsherausforderungen einzunehmen.

Dabei gilt: Gerade weil solche Treffen das Selbstbild von der allwissenden und jede Herausforderung meisternden Führungskraft konterkarieren, entfalten sie eine konstruktive Energie.

Eventuell bietet es sich an, den Motivationszirkel auf andere Personen auszudehnen, ihn also nicht auf Ärzte zu beschränken. Wichtig ist, dass der Zirkel aus Menschen besteht, die einen ähnlichen Erfahrungsbackground haben wie der Arzt, also zum Beispiel Führungskräfte sind und in Führungsverantwortung stehen oder als Selbstständige arbeiten. Sie können jedoch in ganz anderen Bereichen tätig sein als der Arzt.

Der große Vorteil des Austauschs mit einem anderen Menschen ist, dass der Arzt durch das Gespräch aus der demotivierenden Situation herausgezogen wird. Er ist nicht mehr „so nah dran“ am Problem und kann es mit anderen und lösungsorientierten Augen betrachten.

Fazit

Wer sich selbst aus einem Demotivationsloch befreien will, sollte den Mut haben, unkonventionelle Wege einzuschlagen. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Glaubenssätzen, die Zusammenarbeit mit einem Coach und die Gründung eines Motivationszirkels gehören gewiss zu diesen unkonventionellen Optionen.

Dr. Michael Madel

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