ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2014Demenz: Versuch eines Perspektivwechsels

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Demenz: Versuch eines Perspektivwechsels

Dtsch Arztebl 2014; 111(40): A-1705

Klinkhammer, Gisela

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Sabine Bode ging es so wie vielen anderen auch. Die Themen Alter, Krankheit, Gebrechlichkeit und Demenz möchte man am liebsten ausblenden und verdrängen. „Zeitungsberichte über Skandale in Altenheimen las ich nicht zu Ende. Das wissen wir doch alle schon so lange: dass erstens die Pflege- und Betreuungskräfte keine gesellschaftliche Wertschätzung erfahren, dass sie zweitens überfordert, immer schlechter ausgebildet und unterbezahlt sind, und sie drittens aller Voraussicht nach in der Altersarmut landen werden.“ Doch dann habe sich ihr Fokus verändert, berichtet Bode. Sie begriff Demenz nicht mehr als „Elendsthema“, sondern sah es „als ein großes Beziehungsthema für Familien, eine Reifeprüfung für die ganze Gesellschaft“. Sie versuchte also, sich auf einen Perspektivwechsel einzulassen. Und der ist ihr in weiten Strecken auch gelungen.

So berichtet sie beispielsweise über eine Veranstaltungsreihe des WDR Sinfonieorchesters für Menschen mit Demenz (dazu auch DÄ, Heft 18/2014). Sie beschreibt, wie Angehörige an der Aufgabe der Pflege und Betreuung wachsen. So brachte der Befund Alzheimer bei einem der von Bode vorgestellten Ehepaare „wieder Frieden in die Beziehung“. Sie beschreibt, wie sogenannte Demenz-Clowns ohne Tusch und Klamauk mit dementen Heimbewohnern auf „eine unglaublich ruhige, feinfühlige Art Kontakt aufnehmen.“ Es sind viele solcher Beispiele, die Mut machen im Umgang mit Menschen, die meist in ihrer eigenen Welt leben und die Zuwendung und Liebe brauchen, aber auch aufwendige Pflege erfordern. Die Autorin hat intensiv für ihre Buch recherchiert. Sie besuchte Alten- und Pflegeheime, sprach mit Pflegepersonal, Wissenschaftlern und Angehörigen.

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Dabei gelingt es ihr tatsächlich zu zeigen, wie ein würdevoller Umgang mit Demenzkranken möglich ist. Allerdings verschweigt sie auch die Schattenseiten nicht. So begleitet Bode beispielsweise auch völlig überforderte Angehörige, die ihr eigenes Leben für den zu Pflegenden aufgegeben haben und die an völliger Erschöpfung leiden. Dennoch: Der Optimismus überwiegt. Und das ist dann auch gleichzeitig die Schwäche dieses insgesamt Mut machenden Buches. Die Realität ist nämlich oft ernüchternd, und die positiven Beispiele werden oft so unvermittelt vorgestellt, dass ein durchgängiges Konzept nicht zu erkennen ist. Gisela Klinkhammer

Sabine Bode: Frieden schließen mit Demenz. 2. Auflage, Klett-Cotta, Stuttgart 2014, 300 Seiten, gebunden, 19,95 Euro

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