ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2014Randnotiz: Der unwürdige Nobelpreis

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Randnotiz: Der unwürdige Nobelpreis

Dtsch Arztebl 2014; 111(40): A-1669 / B-1441 / C-1373

Schmedt, Michael

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US-Forscher haben 2011 in den Annals of Otology, Rhinology, and Laryngology (2011; 120[11]: 732–6.) beschrieben, wie ein lebensbedrohliches Nasenbluten bei einem vierjährigen Kind, das an einer erblichen Thrombozytopathie leidet, mit Hilfe einer Tamponade aus gepökelten Wurststreifen vom Schwein gestillt werden konnte. Außergewöhnliche Umstände machten dies notwendig.

Nicht unbedingt eine appetitliche Vorstellung, gerade in Zeiten, in denen man eher vegane oder zumindest vegetarische Hilfsmittel erwartet hätte, aber es hat geholfen. Es gab keine Folgeschäden, das Kind konnte 72 Stunden nach dem „Eingriff“ entlassen werden.

Den Forschern, die diese Studie publiziert haben, hat es jetzt den Medizinnobelpreis eingebracht. Nein, nicht den „richtigen“ Nobelpreis, der erst in der kommenden Woche verliehen wird, aber immerhin den IG-Nobelpreis. IG steht hier für „ignoble“ („unwürdig“). Der Preis wird seit 1991 alljährlich im Sanders Theatre der Harvard University verliehen und soll wissenschaftliche Leistungen ehren, die die „Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen“.

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Echte Nobelpreisträger übergeben inzwischen sogar die Preise in den verschiedenen Kategorien. Wer wissen möchte, warum manche Menschen Jesus auf einer Toastscheibe sehen, oder wie sich das Halten von Katzen auf die geistige Gesundheit auswirkt, dem sei www.improbable.com/ig empfohlen. Unsinn, der Wissenschaft nicht würdig, sagen Sie? Die Veranstalter wollen „die Kreativität der Forscher anregen und die Vorstellungskraft erweitern“ und uns eben zum Lachen bringen. Nicht die schlechteste Absicht, denn Lachen ist bekanntlich gesund.

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